Gerhild Komander

Taut 150Bruno Taut, der Weltbaumeister

Er war der Weltbaumeister. Bruno Taut war der Wegweiser einer neuen Architektur - in Berlin, in Deutschland, in Europa. Sein Engagement für den sozialen Wohnungsbau ist so unvergleichlich wie sein Erfindungsreichtum. Nach den Entwürfen Bruno Tauts entstanden in Berlin zehn- bis zwölftausend Wohnungen.

 

Stadtführungen zur Architektur Bruno Tauts in Berlin:

Bruno Taut und Ludwig Mies van der Rohe. Bauten im Wedding

Bruno Taut und Martin Wagner. Die Siedlungen Lindenhof und Attilahöhe

Gartenstadt Falkenberg. Bruno Tauts Tuschkastensiedlung

Onkel Toms Hütte. Eine Waldsiedlung in Zehlendorf  

Bruno Taut, Jean Krämer, Erich Glas: Wohnbauten am Schillerpark. Architektur der zwanziger Jahre im Wedding, Müllerstraße

Bruno Taut bebaut den Prenzlauer Berg. Die Wohnstadt Carl Legien

Hufeisen, Hüsung, Rote Front. Martin Wagner und Bruno Taut bauen in Britz

Fahrradtour UNESCO-Welterbe Berlin. Berliner Siedlungen der zwanziger Jahre

Die Architekturführungen zu Bruno Taut finden Sie hier ...

 

Bruno Taut, der Weltbaumeister

Bruno Taut (1880 - 1938) war der Wegweiser einer neuen Architektur - in Berlin, in Deutschland, in Europa. Sein Engagement für den sozialen Wohnungsbau ist so unvergleichlich wie sein Erfindungsreichtum. Bruno Taut, geboren in Königsberg/ Kalinigrad, studierte bei Theodor Fischer in Stuttgart und kam 1908 nach Berlin. Er organisierte den Architektenbund Die Gläserne Kette.

1921 bis 1924 wirkte er als Stadtbaurat in Magdeburg, anschließend als beratender Architekt der gewerkschaftseigenen Wohnungsbaugesellschaft GEHAG in Berlin. In den Jahren von 1931 bis 1932 lehrte er ebenfalls als Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg (Technische Universität Berlin). Nach den Entwürfen Bruno Tauts entstanden in Berlin zehn- bis zwölftausend Wohnungen.

 

1932 hielt er sich in Moskau auf, ab 1933 in Japan und erhielt 1936 einen Ruf an die Kunstakademie Istanbul. Dort starb er 1938. Das Stadtmuseum Berlin zeigt Architekturmodelle zum Werk Bruno Tauts.


Literatur:

Winfried Brenne Bruno Taut. Meister des farbigen Bauens in Berlin, herausgegeben vom Deutschen Werkbund Berlin e. V., Berlin: Verlagshaus Braun 2005
Wolfgang Schäche 75 Jahre GEHAG, herausgegeben von Wolfgang Schäche, Berlin: Gebr. Mann Verlag 1999 (nicht mehr im Buchhandel)

 

Erhaltene Werke in Berlin*

Mit den Kollegen Franz Hoffmann und Arthur Vogdt entwarf Taut das Wohn- und Geschäftshaus Kottbusser Damm 2-3, Neukölln. Die ersten beiden Geschosse faßte Taut als Backsteinsockel zusammen. Erker, Lauben und glatte Fensterreihen rhythmisieren die oberen Geschosse. Neuartig war der Materialwechsel von Backstein und Putzfläche. 1977 rekonstuierten Inken und Hinrich Baller die Fassade, hinter der ein Neubau entstand.

 

Ein Teil der Dampfwäscherei, die Bruno Taut 1911-1912 für Erwin Reibedanz baute, hat sich erhalten. Die hellen Klinkermauern sind frühe Beispiele expressionistischer Formengebung in Berlin. Die Fassade aus gelbem Sommer-felder Klinker rahmen und gliedern horizontale und vertikale Bänder aus schwarzen Ziegeln der Kunstziegelei Roter. Bemerkenswert sind die zweifarbigen Würfelfriese in den zurückspringenden Fensterfeldern.

 

Ein Liebling der Architekturgeschichte: die Schillerparksiedlung im Norden des gleichnamigen Parks. In drei Bauabschnitten - von 1924 bis 1930 - entstanden nach den Plänen Bruno Tauts und Franz Hoffmanns 303 Wohnungen in offener Blockrandbebauung. Vier Blöcke umfassen einen gartenartigen Hof, den Taut mit einer weiten Rasenfläche, niedrig wachsenden Bäumen und - vor den Hauswänden - mit Staudenbeeten gestaltete. Max Taut baute die Siedlung nach Kriegsende fertig.

 

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Gelb, Rot, Blau in gebrochenen Tönen: Seit 1994 strahlt die Wohnanlage in der Trierer Straße, blendet bei Sonnenschein überraschte Augen. Soviel Farbe sind sie einfach nicht gewohnt. Der Anblick der Fassaden in der Trierer Straße irritierte schon nach ihrer Fertigstellung 1926 viele Menschen. 1938 wichen die Farben zwangsweise einem eintönigen Kratzputz. Die Wohnanlage liegt etwas abseits und versteckt, aber der Weg lohnt sich!

 

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Dicht an der Autobahn liegt heute die Kleinhaussiedlung Eichkamp, die Bruno Taut gemeinsam mit seinem Bruder Max ab 1925 erbaute. Die Brüder bauten nicht oft zusammen. Ein- und Zweifamilienhäuser mit angesetztem Eingang, Wintergarten und Sichtmauerwerk im Sockel stehen am Zikadenweg. Die meisten Häuser sind stark verändert und von Grün so zugewachsen, daß die Architektur kaum noch wahrnehmbar ist.

 

taut-oderBruno Taut in Neukölln: Im Westen des Bezirks, an Leine-, Oder- und Okerstraße sowie an der Lichtenrader Straße errichtete der Architekt 1925/26 und 1927/28 191 Geschoßwohnungen in Blockbauweise. Trotz ihrer Beschädigun-gen im Zweiten Weltkrieg und dem vereinfachten Wiederaufbau 1951 fallen diese Wohnblöcke im Quartier Schillerpromenade sofort auf: Der lebhafte Wechsel von Treppenhäusern und Lauben, weißer Putz neben gelben Klinkern charakterisieren die Fassaden.

 

600 Wohnungen erbaute Bruno Taut für die GEHAG entlang der Buschallee in Weißensee. In vier Bauabschnitten entstanden zwischen 1925 und 1930 entlang der Straßenbahntrasse sechs langgezogene Blöcke mit dicht aneinanderliegenden Lauben. In unerhörter Farbigkeit, hellem Ocker und dunklem Rot, zeigen sich seit der Restaurierung 1993 durch das unermüdliche Büro Brenne Architekten die Fassaden, in Weiß und Rosa die Rückseiten.

 

taut-h-bartsch1926 bis 1927 entstand die Wohnanlage Schönlanker Straße, Prenzlauer Berg. Drei Wohnblöcke auf h-förmigem Grundriß entwarf Bruno Taut hier an der Ernst-Fürstenberg-, Heinz-Bartsch- und Paul-Heyse-Straße. Obwohl sich die Anlage an der Ernst-Fürstenberg-Straße als dreiflügelige Hofanlage zeigt, ist die Ansicht dieser Fassaden keineswegs einheitlich, denn Balkone und Loggien sind auf die Sonnenseiten ausgerichtet.

 

Nahe am S-Bahnhof Greifswalder Straße errichtete Bruno Taut in den Jahren 1927 bis 1928 für die GEHAG die Wohnanlage Grellstraße. Vom Bahnhof gesehen fällt zunächst der Kopfbau an der Ecke von Greifswalder Straße und Grellstraße ins Auge. Die Rietzestraße entlang zieht sich ein nahezu ungegliederter Baukörper hin. Hier kontrastieren die weißen Rückseiten der Häuser mit den grünen und blauen Wänden der quer zur Grellstraße aufgestellten Blöcke.

 

taut-c-legienDie Wohnstadt Carl Legien im Prenzlauer Berg zählt zu den Höhepunkten des Wohnungsbaus der zwanziger Jahre - und sicher darüber hinaus. Die sechs Hofanlagen an der Erich-Weinert-Straße, die damals Carmen-Sylva-Straße hieß, baute Bruno Taut mit Franz Hilliger in den Jahren 1928 bis 1930. 1 149 Wohnungen mit anderthalb bis viereinhalb Zimmern entstanden hier mit sie umgebenden Fassaden zum Hof in Rot, Grün und Blau.

 

Auch Tempelhof hat seine Taut-Siedlung: Es ist die Wohnanlage Attilahöhe an Attila- und Tankredstraße, an der auch die Architekten Paul Zimmereimer und Otto Rudolf Salvisberg beteiligt waren. Tauts Compagnion Franz Hoffmann vollendete 1936 bis 1937 den Bauteil an der Paul-Schmidt-Straße. Die Besonderheit der Anlage bestand in dem großen Gemeinschaftshaus im Hof, das neben Wohnungen Läden, Kindergarten und Heizzentrale aufnahm.

 

taut-f-ebert11930 bis 1931 bebaute Bruno Taut gemeinsam mit Paul Mebes und Paul Emmerich freies Land im Nordwesten des Wedding, im "besseren Wedding". Die Großsiedlung Friedrich Ebert, die sich zwischen Müllerstraße und Windhuker Straße im Afrikanischen Viertel befindet, ist das erste Beispiel für die Zeilenbauweise in Berlin. Bruno Tauts Blöcke stehen südlich der Togostraße - zu den Rehbergen hin.

 

* Die Liste ist nicht vollständig. Die meisten Photographien entstanden von April bis Juli 2005. Die Aufnahmen der Schillerparksiedlung und Friedrich-Ebert-Siedlung stammen aus früheren Jahren.

 

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Berlin im Blick

Berliner Geschichte

Um 1270 Der romanische Bau der Marienkirche entsteht.

1320 Die brandenburgischen Askanier sterben aus. Die Auseinandersetzungen um den Besitz der Mark Brandenburg beginnen.
Markgräfin Agnes überantwortet Rechtsprechung und Schutz der in Berlin-Cölln lebenden Juden dem Rat der Doppelstadt. Die Juden haben künftig ihre Abgaben an den Rat zu zahlen.

1370 Erste urkundliche Erwähnung von Falkenberg und Pankow
Die Doppelstadt Berlin-Cölln erwirbt Pankow.

1470 2. April Friedrich II. legt die Regierung nieder. Sein Bruder Albrecht Achilles wird Kurfürst.

1570 Die kurfürstliche Kantorei erhält eine offizielle Ordnung.

1620 Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz sucht bei seinen kurfürstlichen Verwandten im Schloss Zuflucht. Sein Geleit von 3 000 Mann wütet in der Mark.
16. Februar Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst wird geboren.

1670 Frau Schmolz, Ehefrau des Kammerlakaien Christian Schmolz, erhält die Genehmigung, auf dem Kirchhof von St. Nikolai eine Mädchenschule einzurichten.
Hendrik de Fromantiou wird kurfürstlicher Hofmaler.

1720 bis 1722 Der Pulverturm am Spandauer Tor explodiert und tötet 76 Menschen.
Philipp Gerlach erbaut die durch die Explosion zerstörte Garnisonkirche neu.

1770 Die Allee Unter den Linden wird zur Promenade ausgebaut.
Berlin erhält eine neue Gerichtsordnung.
Das Königlich Preußische Generalpostamt erlässt ein Reglement für die Briefträger.
Die Bergakademie wird gegründet.

1820 Christian Wilhelm Hufeland eröffnet ein poliklinisches Institut.
Carl Friedrich von Graefe eröffnet die chirurgische Universitätsklinik.

1870 Georg Siemens und andere gründen die Deutsche Bank.
1. Juli Generalpostmeister Heinrich Stephan führt die "Correspondenzkarte", die Postkarte ein.
Am 19. Juli erklärt Frankreich Preußen den Krieg. Berlin macht mobil.

1920 Mit dem Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin (Groß-Berlin-Gesetz) vom 27. April 1920 wird Berlin zur drittgrößten Stadt der Welt.

1970 13. Januar Grundsteinlegung für die Neubebauung der Leipziger Straße
14. Mai Mit der Befreiung des Brandstifters Andreas Baaders aus der Haft in der Justizvollzugsanstalt Tegel beginnt die Geschichte der RAF.
Aufstellung des Lenin-Denkmals

 

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