Gerhild Komander

| Nr. 8, April 2007 |

In Berlin gibt es Eisbären, Pandabären, Braunbären, Steinbären, Eisenbären, Brückenbären, goldene Bären, einen Markgrafen, den man den Bären nannte, und das Wappentier der Stadt

Berliner Bären

von GERHILD H. M. KOMANDER

{mosimage}Bärig ist Berlin zur Zeit. Eisbär Knut verzaubert die Berlinerinnen und Berliner. Pandabärin Yan Yan stirbt an einer Darmverstopfung. Die Braunbären Tilo, Schnute und Maxi feiern im Bärenzwinger einen fröhlichen Geburtstag nach dem anderen.

Den Bären an der Moabiter Brücke rührt das alles nicht. Er ist einer von vielen, die das Berliner Stadtbild als Skulpturen schmücken. Die heiter-gelassene Figur von Günter Anlauf ersetzt vierfach diejenigen, die die Endpfeiler der ältesten Brücke Moabits zur Erbauungszeit (1864-69) bewachten.

Eisbär Knut erinnert stark an das Bärenkind der Bildhauerin Renée Sintenis. Das künstlerische Bärenkind begrüßt Heimkehrende und Ankommende am Kontrollpunkt Dreilinden, einst Grenzübergang, und zeichnet als Goldener Bär den besten Film der Berliner Filmfestspiele aus. Das Original schuf Renée Sintenis 1932 in Bronze. Die Tierskulpturen der Berliner Künstlerin verbreiten sich mit der alljährlichen Preisverleihung über den gesamten Erdball. Mit Globalisierung hat das wenig zu tun.

{mosimage}Der Moabiter Bär entspricht eher dem Braunbären, der in Europa, auch in Brandenburg und im Berliner Raum zuhause war. Die Annahme, der Name Berlin stamme vom Wappentier der Stadt, dem Bären, ist vermutlich die falsche, unsinnig ist sie nicht.

Das neuhochdeutsche Wort Bär entwickelte sich aus dem althochdeutschen bero, das „der Braune" bedeutet. Die Schreibweise mit „e" hat sich im englischen Wort bear erhalten. In nordeuropäischen Kulturkreisen blieb der frühgeschichtliche Bärenkult, die Sage vom Bären als König der Tiere, bis in geschichtliche Zeiten gegenwärtig. Abgelöst wurde der Bärenkönig vom fränkischen Löwen. Vornamen wie Bernhard / Bernd, Städtenamen wie Bern (das auch einen Bärenzwinger besitzt) und Bernburg belegen die hohe Wertschätzung des Tieres.

{mosimage}Vielleicht kam der Berliner Bär über die askanischen Markgrafen in das Wappen der Stadt? Leider lässt es sich nicht urkundlich belegen, ob Albrecht der Bär – um 1100 – in der Bärenburg, am Platz der Stadt Bernburg, zur Welt kam. Das wäre eine einleuchtende Verbindung.

Im Jahre 1280 taucht der Bär zum ersten Mal im Berliner Stadtsiegel auf. Gleich zweifach stützt er aufrecht schreitend das Schild mit dem brandenburgischen Adler. Abdrücke von Bärentatzen mustern die Zwischenräume im Siegelfeld.

{mosimage}Einen laufenden Bären zeigt zuerst das Sekretsiegel der Stadt aus dem Jahre 1338, dann der Silberpfennig von 1369, den die Berliner Bürger seit diesem Jahr selbst prägen durften.

Erst seit dem frühen 18. Jahrhundert schreitet ein einzelner Bär im Berliner Wappen. Preußischer und brandenburgischer Adler verschwanden, der Bär blieb.

Leseempfehlung:

Werner Vogel: Berlin und seine Wappen, Berlin u. Frankfurt / Main 1987

Berliner Bärenfreunde e.V.

© 2012 Gerhild Komander - Stadtführungen Vorträge Kunstgespräche - Berlin & Potsdam

Top Desktop version