Gerhild Komander - Stadtführungen in Berlin und Potsdam - Vorträge Kunstgespräche

  Stadtführungen in Berlin und Potsdam - Vorträge zur Berliner Geschichte - Kunstgespräche – Gerhild Komander
Samstag, 4. Februar 2012
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Der Rote Wedding

Am 29. November 1929 hatte die Agitprop-Gruppe Roter Wedding ihren ersten Auftritt in den Pharus-Sälen in der Müllerstraße 142. Agitprop ist ein Kunstwort aus Agitation und Propaganda. Die Gruppe stellte sich mit dem Lied „Der rote Wedding“ vor. Aus dem Gelegenheits-Lied, das Hanns Eisler und Erich Weinert auf die Schnelle produziert hatten, wurde eines der bekanntesten Kampflieder der KPD.

Bomben zerstörten im Zweiten Weltkrieg die Pharus-Säle, das Vorderhaus blieb stehen. 1955 ließ die Besitzerin, die Firma Hertie, die Ruine abreißen, das Grundstück erwarb die AOK und bebaute es ab 1960 mit einem Gesundheitszentrum.


Der rote Wedding

Text: Erich Weinert, Musik: Hanns Eisler, Berlin 1929

Links, links, links, links!
Die Trommeln werden gerührt,
links, links, links, links!
Der rote Wedding marschiert!
Wir tragen die Wahrheit von Haus zu Haus
Und jagen die Lüge zum Schornstein hinaus,
Wie uns die Genossen gelehrt.
Wir nähren den Hass und wir schüren die Glut,
Wir heizen die Herzen mit Kraft und Mut
Bis der Prolet uns gehört.

Roter Wedding, grüßt Euch, Genossen,
Haltet die Fäuste bereit.
Haltet die roten Reihen geschlossen,
Dann ist der Tag nicht mehr weit.
Schon erglüht die rote Sonne flammend am Horizont.
Kämpft, Genossen, Sturmkolonne.
Rot-Front! Rot-Front!

Links, links, links, links,
Ein Lump wer kapituliert.
Links, links, links, links!
Der rote Wedding marschiert!
Sie schlagen uns die Genossen tot,
Doch der Wedding lebt und Berlin bleibt rot.
Es wächst unser heimliches Heer
Und holt das Volk seine Freiheit zurück,
Dann spürt der Faschist unsere Faust im Genick.
Dann entrissen wir ihm das Gewehr.

Roter Wedding, grüßt Euch, Genossen,
Haltet die Fäuste bereit.
Haltet die roten Reihen geschlossen,
Dann ist der Tag nicht mehr weit.
Schon erglüht die rote Sonne flammend am Horizont.
Kämpft, Genossen, Sturmkolonne.
Rot-Front! Rot-Front!

Links, links, links, links!
Trotz Faschisten und Polizei!
Links, links, links, links!
Wir gedenken des 1. Mai!
Der herrschenden Klasse blut'ges Gesicht,
der Rote Wedding vergißt es nicht,
und die Schande der SPD!
Sie woll'n uns das Fell über die Ohren zieh'n,
doch wir verteidigen das rote Berlin,
die Vorhut der roten Armee!

Roter Wedding, grüßt euch, Genossen,
haltet die Fäste bereit!
Haltet die roten Reihen geschlossen,
denn unser Tag ist nicht mehr weit!
Drohend stehen die Faschisten, drüben am Horizont.
Proletarier, ihr müßt rüsten!
Rot Front! Rot Front!

Links, links, links, links!
Die Fahne weht uns voran!
Links, links, links, links!
Der Rote Wedding tritt an!
Wenn unser Gesang durch die Straßen braust,
dann zittert der Feind vor der Arbeiterfaust!
Denn die Arbeiterklasse erwacht!
Wir stürzen die Säulen des Ausbeuterstaats
und gründen die Herrschaft des Proletariats.
Kameraden erkämpft euch die Macht!

Roter Wedding, grüßt euch, Genossen,
haltet die Fäuste bereit!
Haltet die roten Reihen geschlossen,
denn unser Tag ist nicht mehr weit!
Drohend stehen die Faschisten, drüben am Horizont.
Proletarier, ihr müßt rüsten!
Rot Front! Rot Front! 

Über die Geschichte des Liedes schreibt Christoph Keller sehr ausführlich.
Christoph Keller: Der verschwundene Text. Zu Eislers „Roter Wedding" und DDR-Hymne aus heutiger Sicht, in: Hanns-Werner Heister (Hg.): Musik/Revolution, Band 3. Festschrift für Georg Knepler zum 90. Geburtstag, Hamburg 1997, und
www.christoph-keller.de.

- gk 10-06 -

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