Gerhild Komander - Stadtführungen in Berlin und Potsdam - Vorträge Kunstgespräche

  Stadtführungen in Berlin und Potsdam - Vorträge zur Berliner Geschichte - Kunstgespräche – Gerhild Komander
Samstag, 4. Februar 2012
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KünstlerInnen in Berlin

Heinrich Anton Dähling. Ein Künstler im Dienst der Königin Luise


Darstellungen wie „Der Abschied Alexanders I. von Friedrich Wilhelm III. und Luise am Sarge Friedrichs des Großen“ und „Die königliche Familie“, beide im Jahre 1806 entstanden, als Preußen dem Untergang nahe war, besitzen heute noch große Popularität. Die Künstler allerdings, die jene Werke und andere erdachten und ausführten, sind vergessen. So auch Heinrich Anton Dähling, langjähriges Mitglied der Berliner Akademie der bildenden Künste und zu Lebzeiten einer der bekanntesten Maler und Zeichner seiner Zeit.

Heinrich Anton Dähling wurde am 19. Januar 1773 in Hannover geboren und verstarb am 10. September 1850 in Potsdam. Er war als Maler und Zeichner in Berlin tätig und wohnte in der Leipziger Straße 109.

Dähling war Schüler der Kunstakademie Berlin, 1811 wurde er deren Mitglied, 1814 daselbst Professor. 1818 berief man ihn zum Professor der Zeichenklasse und als außerordentliches Mitglied als Geschichts- und Porträtmaler. 1829 übernahm er die Leitung der neu eingerichteten Prüfungsklasse für Schülerbewerbungen der Akademie der bildenden Künste zu Berlin. 1832 wird er als Senatsmitglied geführt. 1838 erhielt Dähling die Leitung der Gipsklasse und des Eleven-Instituts. 1844 wurde er zum Kommissar für die Abteilung Gemälde der Akademieausstellung 1844 bestimmt. An den zweijährlichen Ausstellungen der Akademie nahm der Künstler von 1798 - 1850 regelmäßig teil.

Heinrich Anton Dähling arbeitete in allen malerischen Techniken, vor allem Ölmalerei, Aquarell und Gouache. Vorlagen für den Reproduktionsstich führte er in Tusche aus. Sein Werk umfaßt weltliche und religiöse Historien, Porträts, Genreszenen, Landschaften und Miniaturen.

Die enge Beziehung Dählings zum Königshaus wird deutlich in den patriotisch-monarchischen Beiträgen, die seine Werke in der Zeit der Napoleonischen Kriege lieferten. Die aus existentieller Not des Staates geborene Beschwörung der Erinnerung an die Siege Friedrichs II. führte zu einer wesentlichen Erweiterung der friederizianischen Ikonographie. Für den Mythos der Königin Luise legten die Bildnisse Dählings den Grundstein. Sie entstanden sowohl aus oben genanntem Grund als auch aus persönlicher Verehrung für Luise.

Die zahlreichen Reproduktionen seiner historischen Zeichnungen (Kupferstich, Radierung und Lithographie) durch bekannte Berliner Künstler bewahren das Kupferstichkabinett und die Kunstbibliothek in Berlin: Die Schlacht bei Hochkirch, 1799, Gottfried Arnold Lehmann; Der große Maskenball anläßlich des Geburtstages der Königin, 1804, Johann Friedrich August Claar; Abschied Alexanders I. von Friedrich Wilhelm III. und Luise am Sarge Friedrichs des Großen, 1806, Meno Haas; Königin Luise auf dem Sterbelager, 1812, Daniel Berger.

Von einem betont sachlichen Stil wandte sich Dähling einer poetischen Darstellungsweise zu, die sich in Genreszenen und religiösen Bildern ausdrückte. Besonders empfindsame Werke entstanden nach literarischen Vorlagen Friedrich Schillers. Wenn Dähling auch in den Bildern Luises und ihrer Familie die Ideale der bürgerlichen Gesellschaft mitgeteilt hatte, blieb ihm die junge Kunst des Biedermeier fremd. Nach 1820 konzentrierte er sich zunehmend auf seine Lehrtätigkeit an der Berliner Akademie der Künste.

Weitere Werke von Heinrich Anton Dähling:
Berlin (ehem. Hohenzollernmuseum): Begegnung zwischen Königin Luise, Friedrich Wilhelm III. u. Kaiser Alexander von Rußland in Memel, 10.6.1802, Aquarell. Hannover, Niedersächsisches Landesmuseum, Landesgalerie: Königin Luise, 1798, Tusche.
Potsdam Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Aquarellsammlung: Die Königliche Familie, 1806, Gouache.
Potsdam, Katholische Kirche St. Peter und Paul (ehem. Garnisonkirche): Tod Christi, Abnahme vom Kreuz, 1817.

Eine monographische Biographie Dählings ist bislang nicht vorhanden.


Literatur:

Die Kunst hat nie ein Mensch allein besessen. Ausstellung zum 300-jährigen Bestehen der Akademie der Künste und der Hochschule der Künste, hg. von der Akademie der Künste und der Hochschule der Künste, Berlin 1996, S. 101, 125, 138

Gerhild H. M. Komander: Heinrich Anton Dähling, in: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd. 23, Leipzig und München 1999

Gerhild H. M. Komander: Der Wandel des "Sehepuncktes." Die Geschichte Brandenburg-Preußens in der Graphik von 1648 - 1810, Münster/Hamburg 1995

Helmut Börsch-Supan: Vaterländische Kunst zu Beginn der Regierungszeit Friedrich Wilhelms III., in: Aurora, Jahrbuch der Eichendorff-Gesellschaft, Bd. 39, 1979, S. 95 f., Abb. 15 

 

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