Gerhild Komander - Stadtführungen in Berlin und Potsdam - Vorträge Kunstgespräche

  Stadtführungen in Berlin und Potsdam - Vorträge zur Berliner Geschichte - Kunstgespräche – Gerhild Komander
31.07.2010
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Die Hohenzollern - Biographien zur brandenburgisch-preußischen Geschichte
 

 Johann Georg Markgraf von Brandenburg
Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches

11. September 1525 Cölln - 18. Januar 1598 Cölln
Grabstätte: Dom zu Berlin

1545 Heirat mit Sofie von Liegnitz (1525-1546)
1548 Heirat mit Sabine von Brandenburg-Ansbach (1529-1575)
1571 Kurfürst: Wiedervereinigung der Neumark mit Alt- und Mittelmark
1572 Einigung mit den Ständen zur Übernahme der von Joachim II. hinterlassenen Schuldenlast
1573 Hinrichtung des kurfürstlichen Münzmeisters Lippold
1574-84 Leonhard Thurneysser Leibarzt des Kurfürsten
1573-81 Erste Kirchenvisitation der gesamten Mark Brandenburg
1577 Heirat mit Elisabeth von Anhalt (1563-1607)
1578-93 Vollendung der Festung Spandau durch Rochus Guerini Graf zu Linar (Lynar)

Die politische Bedeutung Johann Georgs und der ihm folgenden Kurfürsten Joachim Friedrich und Johann Sigismund liegt vor allem darin, daß sie „brave, mittelmäßige Staatsverwalter waren, denen das Wohl ihres kleinen Landes mehr am Herzen lag als die Teilnahme an den großen politischen und religiösen Auseinandersetzungen in Europa“.
Die Einwohnerzahl des Kurfürstentums Brandenburg betrug im 16. Jahrhundert weniger als eine Million. Die größeren Städte wie Berlin-Cölln, Brandenburg, Frankfurt und Stendal hatten keine 10 000 Einwohner.

Die Regierungstätigkeit Johann Georgs beschränkte sich fast darauf, unablässig Streit zwischen Adel und Bürgertum zu schlichten. Planmäßig unterstützte der Kurfürst die Ansiedlung von niederländischen Handwerkern, die ihre Heimat aus religiösen Gründen verließen. Doch nicht jedermann galt diese Toleranz. Johann Georg übernahm von seinem Vater mehr als vier Millionen Schulden (andere sprechen von zwei Millionen). Als vermeintlichen Schuldigen machte er den kurfürstlichen Münzmeister, den Juden Lippold Ben Chluchim aus. Unter Folter erpresste man ihm das Geständnis, den Kurfürsten Joachim vergiftet zu haben. 1573 wurde Lippold gerädert und gevierteilt, sein Vermögen eingezogen. Die Juden mußten die Mark Brandenburg verlassen.

Am 24. Februar 1574 unterzeichnete Kurfürst Johann Georg (reg. 1571-1598) das Privileg, das der Stadt Berlin erlaubte, in den Gebäuden des ehemaligen Franziskanerklosters ein Gymnasium einzurichten. Der Kurfürst beauftragte den Sekretär Joachim Steinbrecher, die Ausführung zu überwachen. Das notwendige Geld kam aus dem „gemeinen Kasten“, der Kasse, in der die Einkünfte aus der Säkularisation verwahrt wurden. Diese Gelder waren deshalb noch nicht verbraucht, weil sich die Konfiszierung des Kirchenbesitzes in Brandenburg sehr lange hingezogen hatte. Steinbrecher steuerte aus seinem privaten Vermögen erhebliche Mittel bei.
Das kurfürstliche Privileg vom 24. Februar 1574 sprach der neuen Schule die Hälfte des Klosters als Eigentum zu: Kirche, Kirchhof, Kreuzgang mit Garten und Beichthaus wurden zu Zwecken des Unterrichts umgebaut. Die andere Hälfte übergab Johann Georg Leonhardt Thurneysser.

1574 erreichte Leonhard Thurneysser aus Basel (1531-1596) die Mark und war bis 1584 Leibarzt des Kurfürsten. Das ehemalige Franziskanerkloster zu Berlin diente ihm als Wohn- und Arbeitsstätte. Thurneysser richtete ein Laboratorium, eine Bibliothek, eine Schriftgießerei und eine Druckerei ein und blieb für lange Zeit der einzige Wissenschaftler in der Mark Brandenburg. Er legte hier den Grund für das graphische Gewerbe.

Die Bautätigkeit unter Johann Georg erstreckte sich vornehmlich auf die Fortführung der Arbeiten am Residenzschloß und der Zitadelle in Spandau. Er berief den Baumeister Rochus Guerini Graf zu Linar (die Nachfahren nannten sich Lynar), einem Wasser- und Festungsbaumeister von europäischem Ansehen, 1578 bis 1594 für den Kurfürsten tätig war. Er übernahm fast unverändert Chiaramellas Plan. 1593 vollendete Linar die Zitadelle und wurde ihr erster Kommandant.

Eine andere „Kunst“ pflegte Johann Georg mit der Heiratspolitik. 15 Kinder waren ihm in drei Ehen geboren worden.
Der Kurprinz heiratete eine Tochter Johanns von Küstrin.
Die Töchter wurden nach Pommern, Sachsen, Hessen-Darmstadt und Liegnitz gegeben.
Die jüngeren Söhne folgten als Markgrafen von Ansbach und Bayreuth dem Markgrafen Georg Friedrich (Regent in Preußen, verh. mit der zweiten Tochter Hans von Küstrins) nach, der ohne Erben verstarb.
Von diesen heiratete Christian (1604) Marie von Preußen, deren Schwester Eleonore die zweite Gemahlin des Kurprinzen wurde (1603).
Bereits 1594 war der Enkel, Johann Sigismund, mit der ältesten Preußen-Prinzessin verheiratet worden, Anna, die Erbin von Jülich-Kleve-Berg.


Literatur:
Johannes Schultze: Die Mark Brandenburg, Bd. 4, Berlin 1964.
Helmut Börsch-Supan: Die Kunst in Brandenburg-Preußen, Berlin 1980.
Jagdschloß Letzlingen, herausgegeben von Boje Schmuhl und Konrad Breitenborn, Teil 1, Halle an der Saale 2001.

- gk 11/06 -

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