Gerhild Komander - Stadtführungen in Berlin und Potsdam - Vorträge Kunstgespräche

  Stadtführungen in Berlin und Potsdam - Vorträge zur Berliner Geschichte - Kunstgespräche – Gerhild Komander
Dienstag, 7. Februar 2012
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Artikelinhalt
Dorothea Kurfürstin
Erste Ehe
Der Große Kurfürst
Die Dorotheenstadt
Das Testament

 

HEIRAT MIT FRIEDRICH WILHELM
KURFÜRST VON BRANDENBURG

 

Am 18./28. Juni 1667 war die erste Frau Friedrich Wilhelms, Louise Henriette von Nassau-Oranien verstorben. Der Kurfürst scheint sich sehr bald mit dem Gedanken an eine neuerliche Heirat befaßt zu haben. Nicht zuerst von politischen Erwägungen geleitet, empfand er vielmehr sehr stark die persönliche Einsamkeit nach dem Tod Louise Henriettes. Er war ein geselliger Mensch und wollte seine Tage und Nächte nicht ohne eine Frau verbringen. (Beuys 318)

So schrieb er dem Fürsten Johann Moritz von Nassau-Siegen auf dessen Glückwunsch zur Hochzeit mit Dorothea:
„Ich glaube, daß es Ew. L.den im anfange in etwas wirdt verwundert haben; ich bin so gantz alleine das ich umb gesellschaft zu haben es habe thun müssen.“

An seine Lieblingsschwester die Herzogin Luise Charlotte von Kurland schrieb Friedrich Wilhelm:
„Ich muß eine haben, die meiner warte, wenn ich krank bin“ und erwähnte auch seine unmündigen Kinder. Die Umgebung des Kurfürsten war nicht begeistert, insbesondere die oranische Verwandtschaft, allen vorweg die Schwiegermutter Amalie von Solms. Im Frühjahr 1668 mischten sich die Oranier ein, denn sie fürchteten vor allem um ihren politischen Einfluß. Amalie beklagte sich, nicht einmal bei der Testamentseröffnung ihrer Tochter anwesend gewesen zu sein. Johann Georg von Anhalt-Dessau, mit der Louise Henriettes Schwester Henriette Katharina verheiratet, deutete an, eine neue Heirat des Kurfürsten würde die Erbansprüche der Kinder aus erster Ehe gefährden.

Darüber beschwerte sich Friedrich Wilhelm bei seinem Vertrauten Otto von Schwerin über die Leute, „so sich nur umb das Ihrige bekümmern sollten, nur Ihren Nutzen suchten undt ohne das wenig oder gar nicht auf den meinen sehen“.
Nur mit Schwerin korrespondierte Friedrich Wilhelm über seine Heiratspläne. Schwerin handelte den Heiratskontrakt mit der Braut aus, verschaffte ihr ein Bild des Kurfürsten, gab ein Gutachten über ihre religiöse Einstellung ab und benachrichtigte schließlich Amalie von der zweiten Heirat ihres Schwiegersohnes. (Beuys 318)

Die Vorsicht des Kurfürsten beruhte auf der uneingeschränkten Achtung, die seine Verwandtschaft Louise Henriette entgegengebracht hatte und auf dem ganz anderen Charakter der neuen Braut. Dorothea war an Körper und Geist viel robuster, gröber wohl. Nichts an ihr erinnerte an die sensible und kluge Louise Henriette. (Beuys 318)
Der Kammerherr Dieterich Sigismund von Buch allerdings schrieb 1678 in sein Tagebuch:
„Sie ist die sanfteste, gütigste, tugendhafteste Prinzess der Welt.“ (Pierson 10)

So hielt Friedrich Wilhelm taktvoll die Vermählung in kleinem Kreise ab und wählte das Schloß Gröningen zum Hochzeitsort.
Sie fand am 24.6./4.7.1668, also gerade ein Jahr nach dem Tod Louise Henriettes statt.

Die Ehe wurde wie die erste eine sehr glückliche, soweit es die beiden Ehepartner anging. Der Kurfürst war ein treuer und anhänglicher Ehemann, der in beiden Verbindungen der Ehegattin große Achtung entgegenbrachte und ihr einen eigenen Spielraum einräumte. Obwohl äußerlich und charakterlich sehr verschieden, verstanden es beide Frauen, diesen Spielraum zu nutzen und handelten als Landesherrin in diesem Rahmen wirtschaftlich und politisch zum Wohl des Landes, dem sie sich durch ihre Heirat verbunden hatten.
Die innige Verbundenheit des Kurfürsten mit seiner zweiten Gemahlin schloß - wie in der ersten Ehe - einen nicht geringen politischen Einfluß der Gattin ein, sehr zum Mißfallen der meisten kurfürstlichen Berater.

Allerdings hatte Dorothea von Anfang an mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Da war zunächst die konfessionelle Zugehörigkeit. Dorothea war als Lutheranerin getauft worden. Mit ihrer Eheschließung hatte sie sich bereit erklärt, zu reformierten Religion überzutreten, was ihr sowohl die eine als auch die andere Seite großenteils übel nahmen. Man mißtraute Menschen, die die Konfession wechselten, sehr.

Diese Ablehnung galt im Zeitalter der religiösen Kämpfe - und die waren ja 1668 keineswegs beigelegt, wie auch die Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685 durch König Ludwig XIV. von Frankreich zeigt - der Religionszugehörigkeit bzw. in diesem Fall dem Mißtrauen erweckenden Konfessionswechsel. Dieser war notwendig, da das Haus Hohenzollern seit 1613 der reformierten Religion angehörte, während die Bevölkerung Brandenburg-Preußens mehrheitlich lutherisch blieb.

Es hätte theoretisch auch die Möglichkeit bestanden, eine "gemischte" Ehe einzugehen. War doch der Kurfürst sehr um eine Annäherung zwischen Lutheranern und Reformierten bemüht, wie die Errichtung der Friedrichswerderschen Kirche als sogenannte Simultankirche zeigt. Aber hier mit gutem Beispiel voranzugehen, wäre wohl doch auf allen Seiten als Zumutung empfunden worden.


DOROTHEA DIE STIEFMUTTER

Schwerer jedoch wogen die Schwierigkeiten, die Dorothea in ihrer Funktion als Stiefmutter der kurfürstlichen Prinzen begegneten. Die Prinzen Karl Aemil und Friedrich waren mit ihren dreizehn und elf Jahren noch unmündig, der jüngste, Ludwig, gerade ein Jahr alt. Naturgemäß vermißten die Kinder die leibliche Mutter, an der sie mit zärtlicher Liebe gehangen hatten, obwohl sich Louise Henriette als Landesherrin viel auf Reisen befunden hatte - oft ohne ihre Kinder.

Insbesondere Friedrich, der zweite Sohn, konnte sich mit der Stiefmutter nicht arrangieren. Er war ein stilles Kind, weich und gemütvoll und dazu von schwacher Gesundheit, weshalb der Vater, wenn er ihn auch nicht zurücksetzte, doch nicht viel von ihm erwartete. Dieses ungute Verhältnis zwischen Vater und Sohn prägte unabhängig von der Person Dorotheas die Beziehung zwischen Friedrich und seiner Stiefmutter.
Dagegen war sich der älteste Sohn, Kurprinz Karl Aemil, der ungeteilten Aufmerksamkeit und Zuneigung des Vaters sicher und maß dessen zweiter Frau geringere Bedeutung zu.

Das Verhältnis der Stiefmutter zu den Prinzen ist in den Memoiren des Barons von Pöllnitz völlig verzerrt dargestellt worden. Es entstand das Bild der „bösen Stiefmutter“, die gar danach trachtete, die ungeliebten Kinder der Vorgängerin zu vergiften oder aus dem Haus zu treiben. Obendrein habe sie durch intrigante Beeinflussung des Gatten den eigenen Kindern erbliche Vorteile zum Schaden des Hauses und des Kurfürstentums verschafft.
Doch weder die zeitgenössischen Akten des Hausarchivs noch andere Quellen - wie das Tagebuch des Prinzenerziehers Otto von Schwerin - stützen diesen Verdacht.


DIE EIGENEN KINDER

Dorothea gebar in elf Ehejahren vier Söhne und drei Töchter, von der eine im Kindesalter starb.
Das erste Kind war ein Sohn, Markgraf Philipp Wilhelm, 1669 in Königsberg geboren. Er war der Begründer der Nebenlinie Brandenburg-Schwedt und mit Johanna Charlotte von Anhalt-Dessau verheiratet.

Ihm folgten 1670 Maria Amalia, 1672 Albrecht Friedrich, 1673 Karl Philipp, 1674 Elisabeth Sophia und 1677 Christian Ludwig.
Der Jüngste erhielt in Erinnerung an den ersten Gemahl Dorotheas dessen Vornamen und soll der Liebling der Mutter gewesen sein.
Dem Vater stand Philipp Wilhelm am nächsten, da sie einander ähnelten, im Charakter und in den Vorlieben und Fähigkeiten.

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