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Aktuelle Rezensionen Kunst-Bücher
Verfaßt von Gerhild H. M. Komander
Die unaufhörliche Gartenlust. Hamburgs Gartenkultur vom Barock bis ins 20. Jahrhundert
Neue Welt. Die Erfindung der amerikanischen Malerei
Kent R. Weeks: Luxor und das Tal der Könige
Wolf-Dieter Heilmeyer u.a.: Schinkels Pantheon
Die unaufhörliche Gartenlust. Hamburgs Gartenkultur vom Barock bis ins 20. Jahrhundert
Gärten in Hamburg? Barocke Gärten in Hamburg? Vom 5. bis 8. Mai 1842 vernichtete ein Stadtbrand ein Drittel der Stadt, auch die großen Kirchen St. Michael und St. Petri, so daß Hamburg in seinem äußeren Erscheinungsbild schon früh eine Stadt des 19. Jahrhunderts wurde. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs vernichteten auch sie.
Im Museum für Hamburgische Geschichte haben sich die MitarbeiterInnen auf die Suche gemacht nach einem Thema, daß hauptsächlich mit einem Ort in Verbindung gebracht wird: Planten un Blomen. Die Bild- und Graphik-Schätze der Freien Hansestadt, ergänzt durch Leihgaben aus Berlin, Eutin, Frankfurt am Main, Fulda, Göttingen, Jersbek, Kiel, Rosengarten-Ehestorf, Schleswig und Seestermühle, lassen jedoch eine Rekonstruktion der Hamburger Gartenkunstgeschichte seit dem Barock zu.
Kaum überraschen mag die Feststellung, daß Hamburg schon im 17. Jahrhundert ein Zentrum des Gartenhandels war. Schließlich pflegten die Bürger der Stadt weltweite Beziehungen. Zuwanderer aus den Niederlanden, die sich im dänischen Altona niederließen, aber in Hamburg ihre Geschäfte machten, brachten weitreichende Kenntnisse im Gartenhandel in die Stadt. In schneller Folge erschienen Übersetzungen französischer und niederländischer Gartenbücher und reizten die Neugier der HamburgerInnen.
Exotische Gewächse wie Tulpen, Hyazinthen, Narzissen und Kaiserkronen gelangten nach Hamburg. Sie zu pflanzen und - vor allem - dauerhaft zu halten, bedurfte es einer großen Zahl von Fachkräften. Senatoren wie Barthold Hinrich Brockes förderten das Interesse durch Natur- und Gartenschilderungen. In und um Hamburg entstanden Gärten im Stil der niederländischen Renaissance, dann des niederländischen Barock. Claudia Horbas geht darauf in ihrer von wunderbaren Abbildungen begleiteten Einleitung ausführlich ein.
Um 1860 ist das rechte Elbufer von Altona bis Blankenese eine Gartenlandschaft. In Ottensen, Neumühlen, Övelgönne, Klein-Flottbeck, Nienstedten liegen die Gärten, nun nach dem Vorbild des englischen Gartens, dicht an dicht. Christian Cay Lorenz Hirschfeld, der Kieler Gartentheoretiker, lieferte den wohlhabenden Bürgern und dem schleswig-holsteinischen Adel die fachmännische Theorie dazu.
Die Volksparkbewegung, die der Berliner Gartenarchitekt Ludwig Lesser zu Beginn des 20. Jahrhunderts initiierte, fand in Hamburg großen Anklang, mischte sich hier - wie andernorts - mit den Forderungen nach einer Reform der Hausgärten. Großartige Entwürfe entstanden im Wettbewerb um die Gestaltung des Stadtparks Hamburg-Winterhude.
Der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte besticht durch seine ausführliche Einbettung des Themas in die Entwicklung der europäischen Gartenkunst seit dem 17. Jahrhundert und die üppige Ausstattung mit bestem Bildmaterial.
Die unaufhörliche Gartenlust. Hamburgs Gartenkultur vom Barock bis ins 20. Jahrhundert, für das Museum für Hamburgische Geschichte herausgegeben von Claudia Horbas, Hamburg: Museum für Hamburgische Geschichte 2006, 255 S. Mit zahlreichen Schwarzweiß- und Farbabbildungen.
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Neue Welt. Die Erfindung der amerikanischen Malerei
Es ist lange her, daß es eine umfassende Ausstellung zur amerikanischen Malerei gab. 1988 eröffnete die Nationalgalerie Berlin in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg die Schau „Bilder aus der Neuen Welt. Amerikanische Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts“. Jetzt ist es das Bucerius Kunstforum an der Alster in Hamburg, das Gemälde von Thomas Cole, Frederic Edwin Church, Albert Bierstadt und anderen amerikanischen Künstlern zeigt.
Das Bucerius Kunstforum legt zur Ausstellung, die am 24. Februar 2007 eröffnet wird, einen Katalog vor, der die Sammlung des Wadsworth Atheneum Museums in Hartford / Connecticut vorstellt. Das Museum war das erste öffentliche Museum in den Vereinigten Staaten von Amerika. 1844 begrüßte es erstmals die staunenden BesucherInnen.
Romantische Malerei in den USA? Thomas Cole, so heißt es, erfand die amerikanische Malerei. Die Romane von James Fenimore Cooper inspirierten ihn. Die Catskill Mountains, wo die Geschichte der Malerei der eingewanderten Siedler begann, findet man heute auf Öldrucken. Ob „The Clove Catskills“ oder „Mountain Sunrise Catskills”, die Bilder des Romantikers aus dem englischen Bolton, der mit 18 Jahren nach Amerika auswanderte, besitzen länger schon Popularität.
Maler um Maler folgte Cole in die Berge im Norden New Yorks. Sie bildeten die Hudson River School, vernarrt in die wilde Gebirsglandschaft – durchaus eine Parallele zu den Wanderungen dänischer und schwedischer Maler zur gleichen Zeit in die europäischen Mittelgebirge. Religiöse Elemente spielen eine wachsende Rolle. Landschaftsmalerei wird zum Ausdruck republikanischer Gesinnung. Denkt man dabei nicht unwillkürlich an Caspar David Friedrich? An dessen scheinbar „harmlosen“ Landschaftsbilder, die doch so umfassende politische Hintergründe bergen?
Die Katalogbeiträge widmen sich auch dem zweiten Pionier der amerikanischen Landschaftsmalerei, Frederic Edwin Church, dem in Hartford / Connecticut geborenen Künstler. Sein Kollege Albert Bierstadt war der Meinung, hier den Urzustand Italiens zu finden. Die Maler der Hudson School River eroberten die Wildnis mit dem Pinsel, erste Touristen, Männer und Frauen, folgten ihren Spuren.
Gespannt wartet das deutsche Publikum nun auf die Ausstellung. Sie wird im Sommer 2007 auch in der Stuttgarter Staatsgalerie zu sehen sein.
Neue Welt. Die Erfindung der amerikanischen Malerei, herausgegeben von Ortrud Westheider und anderen, Hamburg: Bucerius Kunstforum 2007. 192 S. Mit 190 überwiegend farbigen Abbildungen
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Kent R. Weeks: Luxor und das Tal der Könige
Einmal Ägypten, immer Ägypten. Weeks bietet nur einen kleinen Ausschnitt aus der kaum faßbaren Fülle altägyptischer Altertümer, Luxor und das Tal der Könige. Und wer voller Neugier ist, wird ihm durch die über fünfhundert Seiten und dem Vielfachen an Abbildungen willig folgen. Ob man zunächst nur ein wenig stöbert und blättert oder gleich an die Lektüre geht: Das Staunen nimmt kein Ende. Fülle und Vielfalt der ägyptischen Kultur werden hier Seite für Seite ausgebreitet. Farbphotographien, die in den Landschafts- und Architekturaufnahmen beeindruckend den Lichteinfall einkalkulieren, Abbildungen der Malereien in Detail- und Gesamtaufnahmen verwirren ihrer großen Zahl wegen zuerst und dienen dann vorzüglich als Gedächtnisstütze. Nicht nur den Gästen des Niltals, die selbst photographiert haben.
Das Inhaltsverzeichnis ist ein wenig irritierend gedruckt, doch findet man sich mit einem Lineal zurecht - falls man nicht von vorn nach hinten durchlesen möchte -, um die Zeile nicht aus den Augen zu verlieren.
Weeks beginnt mit einer Einführung in die Geographie und Naturgeschichte der Region, schließt einen Text über die Geschichte der ägyptologischen Forschung in Theben, eine Zeittafel der Dynastien sowie eine knappe Darstellung über ägyptische Religion und religiöse Feste an. Die Hauptkapitel widmen sich nacheinander den Monumenten auf dem Ostufer, also Karnak und Luxor, den Totentempeln auf dem Westufer, dann dem Tal der Könige und dem Tal der Königinnen, schließlich den Gräbern der Adligen. Die Tempel außerhalb Thebens bilden den Abschluß: Abydos, Dendera, Isna, Edfu und Kom Ombo.
Bei aller Fülle der historisch-kunsthistorischen Fakten ergreift der Autor jede Gelegenheit, persönliche sinnliche Eindrücke zu schildern und leitet damit die Kapitel der Hauptorte ein. Die grundlegenden Beschreibungen gehen einher mit Grundrißplänen, Luftaufnahmen und Detailphotographien, setzen sich mit den Besonderheiten der Bauten, Skulpturen und Malereien auseinander. Ihnen folgt eine Anleitung zur Besichtigung, die sogar Hinweise auf günstige Besuchszeiten und Absperrungen sowie gelegentlich Textübersetzungen enthält. Aus alledem ergibt sich ein sehr konsequenter und kompetenter Führer durch die altägyptische Welt am mittleren Niltal.
Kent R. Weeks: Luxor und das Tal der Könige, National Geographic Art Guide, Hamburg: National Geographic Deutschland G+J/RBA 2005. 563 S. Mit zahlreichen farbigen Abbildungen.
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Wolf-Dieter Heilmeyer, Huberta Heres und Wolfgang Maßmann: Schinkels Pantheon. Die Statuen der Rotunde im Alten Museum
Die Bezeichnung Pantheon für den Kuppelsaal im Alten Museum hatte Karl Friedrich Schinkel, der Erbauer des Hauses, selbst gewählt, da hier wie in einem Heiligtum das Kostbarste aufbewahrt werde. Es ist weniger die architektonische Gestalt als vielmehr die Bedeutung, auf die sich Schinkel bezog, wie Wolf-Dieter Heilmeyer einleitend erläutert.
War das Pantheon ein Tempel aller Heiligen, wandelte Schinkel die Idee der Götterversammlung in eine ästhetische und versammelte kunstgeschichtlich bedeutende Werke der antiken Skulptur im Zentrum des ersten Kunstmuseums in Berlin. Als das Museum 1830 eröffnet wurde, hatte man aus den königlichen Schlössern und Gärten die nach zeitgenössischem Urteil wertvollsten Skulpturen und Gemälde - sie wurden im Obergeschoss des Gebäudes gezeigt - ausgewählt.
Die antiken Bildwerke stammten überwiegend aus den Gärten in Sanssouci und wurden, da ihr Zustand durch witterungsbedingte Schäden den musealen Anforderungen nicht entsprach, restauriert. Sie wurden gemeinsam mit den Neuerwerbungen in das Atelier von Christian Daniel Rauch und Friedrich Tieck im kriegszerstörten Gebäude Klosterstraße 75/76 transportiert.
Mit diesem Thema ist der Hauptteil des Buches erreicht, den Huberta Heres mit zwei Beiträgen bestreitet: 2. Von Bartolomeo Cavaceppi zu Christian Daniel Rauch - Die Restaurierung der Statuen im 18. und 19. Jahrhundert und 3. Die Statuten im Hauptgeschoss der Rotunde.
Die Autorin beschreibt mit der Geschichte der Restaurierung des Skulpturenbestandes im Alten Museum auch die Werke selbst und zugleich einen wichtigen Aspekt der Berliner Bildhauerschule. Sie zeigt einmal mehr, welch großartigen und für die europäische Kunstgeschichte repräsentativen Kunstbesitz die Berliner Museen beherbergen.
Wolf-Dieter Heilmeyer, Huberta Heres und Wolfgang Maßmann: Schinkels Pantheon. Die Statuen der Rotunde im Alten Museum, Mainz: Verlag Philipp von Zabern 2004. 130 S. Mit neun Farb- und 159 Schwarzweißabbildungen sowie 16 Farbtafeln.
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© - gerhild komander 1-07 -
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