Gerhild Komander - Stadtführungen in Berlin und Potsdam - Vorträge Kunstgespräche

  Stadtführungen in Berlin und Potsdam - Vorträge zur Berliner Geschichte - Kunstgespräche – Gerhild Komander
Dienstag, 7. Februar 2012
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Krönungsfeier 1901
Initiativen Wilhelms II.
Ordensfest 17.1.1901
Krönungsfest 18.1.1901
Ganz Berlin feiert
Quellen

Der Jubeltag der Krone Preußens
 

Die Initiativen Wilhelms II.


Während die Stadtverordneten Berlins über eine Million und 5 600 Mark stritten, die wohltätig wirken und die Dynastie ehren sollten, verliefen die Vorbereitungen am Hof Wilhelms II. und in den königlichen Institutionen ruhig und geordnet. Wilhelm II. selbst war der Initiator für alle Details einer angemessenen Feier zum zweihundertjährigen Jubiläum der preußischen Krone in der Haupt- und Residenzstadt Berlin, im Königreich Preußen und im Deutschen Kaiserreich.

Gefeiert wurde der Erwerb der Krone Preußens vor 200 Jahren, nicht etwa Friedrich I. , dessen zwiespältige historische Beurteilung keinen hinreichenden Anlaß zu solchem Aufwand geben konnte, wie ihn Wilhelm II. plante. Es war das erste Mal, daß man dem Erwerb der Krone derart gedachte: 1751 und 1851 hatten keine Jubelfeiern stattgefunden. 1801 ließ Friedrich Wilhelm III. feierliche Gottesdienste mit Glockengeläut abhalten und eine Gedenkmünze prägen. Von weiteren Festlichkeiten sah man aufgrund der bedrängten politischen Situation des Jubilars ab. [19]

Zwei Tage dauerte das Krönung- und Ordensfest an, erfaßte alle Königlichen Institutionen, die Kirchen beider Konfessionen und bürgerliche Vereinigungen - über zwei Denkmünzen, die Wilhelm II. eigens gestalten ließ, das gesamte Deutsche Reich. Die Tagespresse berichtete rund um die Uhr, in seitenlangen Beilagen und Extra-Ausgaben. In einem Wettstreit um die Gunst der Leser berichteten allen voran der „Deutsche Reichs- und Kniglich Preußische Staatsanzeiger“, die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“, die „Vossische Zeitung“, das „Berliner Tageblatt“, die „Königlich privilegierte Berlinische Zeitung von Staats und gelehrten Sachen“ und der „Vorwärts“.


Es regnet Orden und Auszeichnungen

Am 23. November 1900 schrieb der Kaiser aus Kiel an das Königliche Staatsministerium:

„Ich fordere das Staatsministerium auf, Mir die Vorschläge für die bei der Feier des im Januar künftigen Jahres zu begehenden Krönungs- und Ordensfestes zu verleihenden Orden und Ehrenzeichen bis zum 25. Dezember d. Js. einzureichen. Im Hinblick auf die zweihundertjährige Wiederkehr des Tages der Annahme der Königswürde will Ich diese Auszeichnungen in umfangreicherem Maße wie sonst verleihen und wünsche Ich, daß bei den Vorschlägen namentlich die Provinzen Ost- und Westpreußen reicher bedacht und insbesondere angesehene Mitglieder solcher Familien dieser beiden Provinzen berücksichtigt werden, welche schon bei der ersten Krönung dort angesessen waren und eine einflußreichere Stellung eingenommen haben.

Bei den in diesem Jahre vor Mir gehaltenen Manövern waren in den Provinzen Brandenburg und Pommern die ländlichen Quartiergeber in außerordentlichem Maße stark in Anspruch genommen. Ungeachtet der ungewöhnlich gesteigerten Einquartierungslast und der ungünstigen Verhältnisse, unter denen die ländlichen Grundbesitzer zu leiden haben, ist den Truppen überall, oft unter den erheblichsten Opfern, eine vortreffliche Aufnahme zu Theil geworden.

Ich wünsche daher, daß die Vorschläge besonders auch auf diejenigen Landwirthe der beiden Provinzen sich erstrecken, welche bei jener Gelegenheit ihren Patriotismus bethätigt haben. Wie früher, will Ich bei dem vorbezeichneten Anlasse Meine Gnadenbezeigungen auch auf Beamte des Deutschen Reiches und andere Personen in den Reichslanden ausdehnen, wovon dem Reichskanzler und Meinem Statthalter in Elsaß-Lothringen mit dem Ersuchen Kenntnis zu geben ist, dem Staatsminister zu diesem Behufe Vorschläge mitzutheilen. Das Staatsministerium hat hiernach das Weitere zu veranlassen. Kiel, den 23. November 1900. Wilhelm R.“ [20]

Die Instruktionen zeigen, daß sich Wilhelm II. sehr wohl der Möglichkeiten einer integrativen Wirkung der Staatsfeier zur preußischen Königskrönung bewußt war. Gezielt nannte er die Personenkreise, die bei der bevorstehenden Ehrung besonders bedacht werden sollten. Die betonte Aufforderung, Beamte auáerhalb Preußens und ganz besonders auch Elsaß-Lothringens einzubeziehen, konnte in monarchisch gesinnten Kreisen seine Wirkung nicht verfehlen.

Die „Königliche Privilegierte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen“ widmete ihre Abendausgabe vom 18. Januar 1901 der „Jubelfeier des Königreichs“ und verfaßte eine kleine statistische Analyse des „Ordenssegens“, der erwartet hoch ausgefallen war: 3772 Personen waren mit Orden und Ehrenzeichen bedacht worden (gegenüber 2514 im Jahr 1900, der bis dahin höchsten Anzahl).

Die Zahl der dekorierten Offiziere war sehr hoch: Vierzig Prozent aller Orden und dreißig Prozent der Ehrenzeichen waren an die Armee gegangen. Während die Verleihung des Schwarzen Adlerordens naturgemäß gering gehalten werden mußte, wurde der Rote Adlerorden allein 1821 mal vergeben und, wie betont wird, auf eine Vermehrung in allen Klassen geachtet. Die Standeserhöhungen und die Auszeichnungen mit höheren Orden wurden namentlich aufgeführt. Aus der Berliner Kommnunalverwaltung erhielten Oberbürgermeister Kirschner den Roten Adlerorden III. Klasse und Stadtrat Namroth den Roten Adlerorden IV. Klasse.

Unter den ausgezeichneten Persönlichkeiten der Berliner Künstler und Wissenschaftler befanden sich der Direktor der Königlichen Museen, Kekule von Stradowitz, der Präsident der Akademie der Künste und Architekt Hermann Ende, der Philosoph Wilhelm Dilthey, die Maler Anton von Werner [21], Franz Skarbina und Hermann Knackfuß, der Buch- und Kunsthändler Schulte und andere.

Aus Handel und Industrie Berlins wählte man die Bankiers Mendelssohn [22] und Bleichröder, die Kaufleute Pinkus und Krausnick und den Goldschmied Alfred Louis Sy. Das „Verzeichnis der am Krönungs- und Ordensfeste verliehenen Auszeichnungen, Orden und Ehrenzeichen“ erschien am 18. Januar in der „Vossischen Zeitung“. [23] Acht Seiten füllten die Namensnennungen, von der Erhebung in den Fürstenstand über die Verleihung des Schwarzen Adlerordens bis zum Allgemeinen Ehrenzeichen.

Die Vorschläge für die zu dekorierenden Personen waren durch sämtliche Ministerien über die nachgeordneten Behörden gemacht und von den Ministern persönlich begutachtet worden. Mehrere Akten des Preußischen Staatsministeriums, das sich spätestens seit März 190061, gewissermaßen inoffiziell, da noch ohne kaiserliche Order, mit den bevorstehenden Ordensverleihungen zum 17.1.1901 befaßte, füllen diese Vorschlagslisten, die nach ergangener Aufforderung Wilhelm II. zur Bestätigung vorgelegt wurden.


Reges amtliches Pflichtgefühl und durchaus loyale Gesinnung 

Die Begründung für den Vorschlag, einen Unterstaatssekretär mit dem Roten Adlerorden I. Klasse auszuzeichnen, lautete beispielsweise: „Außerordentlich anzuerkennende Leistungen in der Finanz-Verwaltung des Reiches und reges amtliches Pflichtgefühl. Hervorragende Mitarbeit an den beiden Flottengesetzen und dem Gesetz zur Erhöhung der Friedensgewährungsstärke des Heeres.“ „Hingebende und erfolgreiche Thätigkeit in verantwortlicher Stellung sowie durchaus loyale Gesinnung“ reichten aus für den Stern zum Roten Adlerorden II. Klasse mit Eichenlaub.

Die Vorschläge für die Verleihung des Allgemeinen Ehrenzeichens konnte diejenigen erheben, die sich durch „gute Führung, Fleiß und besondere Pflichttreue“, „fortgesetzte treue Pflichterfüllung und stetes Wohlverhalten“, „langjährige pflichttreue Dienstzeit“ hervorzutun bemüht gewesen waren.

„Jugendliches Alter“ dagegen war in vielen Fällen der einzige Grund für eine Ablehnung der Ordensverleihung. Älter als 39 Jahre mußten die Anwärter schon sein. Die oft ausführlichen, negativen Begründungen lassen die gelegentlich lapidar erscheinenden befürwortenden Formulierungen in einem anderen Licht erscheinen. Einige der vom Präsidenten des Deutschen Flottenvereins zur Auszeichnung vorgeschlagenen Personen, die sich um die Ausbreitung des Flottenvereins besonders verdient gemacht hatten, wurden mit entsprechenden Argumenten abgelehnt:

Weil er „an einer überaus peinlichen Demonstration gegen seinen damaligen Direktor theil genommen hatte“, „wegen der ungünstigen finanziellen Verhältnisse“, aufgrund eines „Mangels an anständiger Denkungsart“ und - im Falle eines „Telegraphisten“ bei der Eisenbahn in Essen - weil die Direktion Einwände erhob, da alle anderen Beamten, höheren Dienst- und Lebensalters mit verantwortungsvollerer Stellung, noch keine Auszeichnungen erhalten hätten. Nur der Dienst für den Deutschen Flottenverein reichte eben nicht.

Auszeichnungen an 3 772 Diener des Staates! Doch damit war erst der Auftakt zur „Jubelfeier der Preußischen Krone“ gegeben. Obwohl man im Staatsministerium bemüht gewesen war, durch eine vergleichsweise hohe Zahl an Auszeichnungen einer neuerlichen Ordensgründung durch Wilhelm II. vorzubeugen, erhielt das Staatsministerium am 24.12.1900 ein geheimes Schreiben des Civil-Cabinets mit der Ankündigung,

„Seine Majestät haben beschlossen, aus Anlaß des 200jährigen Jubiläums des Königreichs Preußen einen Orden zu stiften. Derselbe soll den Namen „Verdienstorden der Preußischen Krone“ führen.“ [24]

Die Urkunde wurde in der auf  kaiserlichen Befehl herausgegeben Sonderausgabe des „Preußischen Reichs- und deutschen Staatsanzeigers“ vom 18. Januar 1901 veröffentlicht. [25] Erste Verleihungen des Ordens sollten am Tage der Stiftung, dem 17. Januar 1901, erfolgen. Statt dessen gab der „Preußische Reichs- und deutsche Staatsanzeiger“ erst am 15. April 1901 die erstmalige Verleihung des Verdienstordens bekannt. Der Ausgezeichnete war der Freiherr von Loë.

Man belächelte oder verachtete gar Friedrich I. und seinen vermeintlich bloß effekthaschenden Griff nach einer Königskrone für den Kurfürsten in Brandenburg und sonnte sich im Glanz von Orden und Ehrenzeichen, die in der Regierungszeit allein Wilhelms II. wohl an die 70 000 Mal vergeben wurden.


Man mag den König Friedrich I. mit unserer Kaiserin verwechseln 

Ein Andenken, das auf simple Weise die Erinnerung an den Erwerb der preußischen Krone durch die Hohenzollern in nahezu allen Bevölkerungskreisen wachhalten konnte, stellten die Denkmünzen dar, deren Prägung Wilhelm II. bestimmt und veranlaßt hatte. Um den Charakter der Münzen als Reichsmünzen und Zahlungsmittel zu erhalten, verfügte der Kaiser höchstselbst, daß die dafür vorgesehenen Zwei- und Fünfmarkstücke die übliche Reversseite zierten, avers aber „das Doppelbildnis weiland König Friedrichs I. und des jetzt regierenden Kaisers und Königs Majestät mit den Aufschriften: Friedrich I. 1701., Wilhelm II. 1901.“ zu tragen hätten. [26]
Die erforderliche Zustimmung des Bundesrats erfolgte am 13.12.1900. Daraufhin erging an die Münzprägeanstalt in Berlin der Auftrag, 2 000 000 Zweimarkstücke und 500 000 Fünfmarkstücke nach dem von Emil Doepler angefertigten und vom Kaiser assignierten Entwurf herzustellen.

Der Minister bemühte sich um die Verteilung der Denkmünzen und schlug Wilhelm II. vor,

„durch Vermittlung der Reichsbank den Reichsämtern, den Mitgliedern des Reichstages und den Bevollmächtigten zum Bundesrath, soweit diese nicht Reichs= oder preußische Landesbeamte sind, den Reichsbankangestellten und den außerpreußischen Bundesstaaten einschließlich Elsaß-Lothringen im Ganzen 110 000 M. in Fünf= und 440 000 M. in Zweimarkstücken gegen Werthersatz überweisen zu lassen.

Der verbleibende Rest (...) würde unseres allerunterthänigsten Dafürhaltens auf die preußischen Regierungshauptkassen und die Generalstaatskasse zu vertheilen, und würden die auf die letztern Kasse entfallende Beträge so hoch zu bemessen sein, um auch den Anforderungen Allerhöchst dero Schatulle wie der Königlich und Königlich Prinzlichen Hofstaatskassen und der hiesigen preußischen Staatskassen auf Verabfolgung von Denkmünzen genügen zu können.“ [27]

Den „Oberhäuptern der regierenden außerpreußischen Deutschen Fürstenhäusern und den Senaten der freien Städte“ waren auf Wunsch des Kaisers Denkmünzen zu überreichen. Den außerpreußischen Souveränen und Senaten der freien Städte wollte er je ein Stück der beiden Denkmünzen mit einem persönlichen Handschreiben zugehen lassen.“

Obwohl die künstlerische Gestaltung der Denkmünzen auf herbe Kritik gestoßen war, diskutierten die Bundesratabgeordneten bereits am 7. Januar über eine Nachprägung. Dr. Arendt befürwortete dies wie die Mehrheit der Abgeordneten:

„Die Kritik dieser Münzen mag ja verschieden ausfallen: man mag sie nicht sehr schön finden, man mag den König Friedrich I. mit unserer Kaiserin verwechseln (Heiterkeit) und finden, daß die Kaiserin sehr schlecht getroffen ist, (erneute Heiterkeit) trotzdem glaube ich, daß diese Münzen doch in weiten Volkskreisen eine gute Aufnahme finden werden, und daß sie den Zweck erfüllen dürften, zu dem sie bestimmt sind: ein großes historisches Ereigniß in der Erinnerung des Volkes festzuhalten und in den Schatz der Familien überzugehen“. Die Münzen sollten ohne Zwischenhandel ausgegeben werden, um auf diese Weise, „bis in die letzte Hütte des preußischen Staates“ zu gelangen. [28]

Die Forderung nach einer ästhetischen Nachbesserung der Denkmünzen konnte nicht erfüllt werden, da der Kaiser selbst den Entwurf des Künstlers gebilligt und wohl auch mitbestimmt hatte, und weil es einfach unüblich war - und verwirrend gewesen wäre -, das Aussehen einer Gedenkmünze in der zweiten Auflage neu zu gestalten. Doch wurde die Frage bis zur Beschlußfassung am 28. Februar 1901, eine Nachprägung im Wert von fünf Millionen Mark in Auftrag zu geben, erörtert und endlich positiv entschieden. Der Initiative Wilhelms II. war ein großer Erfolg beschieden gewesen, die Nachfrage ungebrochen groß, so da die Nachprägung die erste Ausgabe an Umfang weit übertraf.
 
Noch am 11. Februar äußerte sich dementsprechend der Abgeordnete Speck, der im vergangenen Jahr „in der Münzkommission auf die Zulässigkeit der Ausprägung von solchen Denkmünzen hingewirkt“ hatte, und sah sich bitter enttäuscht über die unveränderte Neuauflage, war es ihm und seinen Kollegen doch ein besonderes Anliegen gewesen, ethische und künstlerische Beweggründe in die Gestaltung und Verbreitung von Gedenkmünzen einfließen zu lassen.

Speck nutzte sein Unterliegen in der Aussprache, die künstlerische Überlegenheit seiner bayerischen Heimat über die preußische Reichshauptstadt öffentlich unter Beweis zu stellen:

„Wir Bayern und speziell wir Münchener können ja mit einiger Befriedigung auf dieses Ergebniß der ersten Denkmünzenprägung blicken; denn diese Denkmünzen und die im vorigen Jahr ausgegebenen Postwerthzeichen sind uns ein sicherer Beweis dafür, daß der Ruhm Münchens, in künstlerischer Beziehung die erste Stelle im Deutschen Reiche einzunehmen, in absehbarer Zeit nicht ernstlich wird gefährdet werden können.“ [29]

In politischer Hinsicht hatte Bayern, dessen Herrscherhaus Wittelsbach mit den Habsburgern und den Hohenzollern zu den ältesten Dynastien des Deutschen Reiches gehörte, unter dem Druck Ottos von Bismarck dreißig Jahre zuvor zugunsten Preußens in den Hintergrund treten müssen. Unverhofft bot ausgerechnet das preuáische Krönungsjubiläum Gelegenheit zu einem kleinen Triumph.

Die in der Tat künstlerisch unbefriedigende, konventionelle Gestaltung der Prägestempel hatte der Genremaler Emil Doepler nach den Vorgaben Wilhelms II. entworfen. [30] Der Kaiser beauftragte Doepler ebenfalls, ein Gedenkblatt anläßlich der Zweihundertjahrfeier der Preußischen Krone zu entwerfen, das Wilhelm II. in einer Auflage von 200.000 Exemplaren drucken ließ und zur Verteilung in den Schulen zur Verfügung stellte. [31] Je ein Blatt bestimmte Wilhelm II. für die Stadtverordneten-Versammlung, den Magistrat und den Oberbürgermeister und hatte sie „eigenhändig“ unterzeichnet - sie waren nicht, „wie irrthümlich berichtet, mit der Unterschrift in Faksimile versehen“, korrigierte die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ in ihrer Ausgabe vom 18. Januar.

Die „kunstvollen farbigen Gedenkblätter“ waren Oberbürgermeister Kirschner am 13. Januar durch Graf Baudissin zugesandt worden, mit der Maßgabe, daß das zweite und dritte Exemplar für den Sitzungssaal des Magistrats und den der Stadtverordnetenversammlung bestimmt sei. In seinem Dankschreiben an Wilhelm II. legte Kirschner das „Gelöbniß unverbrüchlicher Treue“ ab und unterzeichnete: „Euer kaiserlicher Majestät treu gehorsamste Stadtverordnete zu Berlin.“ [32]

Ein Original des Gedenkblattes ist nicht aufzufinden. Die Vermutung liegt nahe, daß es sich bei den beiden in der Festausgabe des Hohenzollernjahrbuches abgebildeten Zeichnungen Emil Doeplers um eine Wiedergabe des kaiserlichen Auftrages handelt. Deren Vervielfältigungen wären als kolorierte, nebeneinander auf einem Doppelbogen angeordnete Drucke (Lithographien) denkbar. Die Titel der Blätter im Hohenzollernjahrbuch variieren die Inschriften der von Emil Doepler im Auftrag Wilhelms II. entworfenen Denkmünzen: „FRIEDRICH I. 18. Januar 1701.“ und „WILHELM I. 18. Januar 1871.“

Noch einmal wird hier „Wilhelm der Große“ gewürdigt.
Wilhelm II. aber erscheint in derselben Position innerhalb der Komposition wie Friedrich II. , wird ihm gleichgestellt: Die Bildnisse Friedrichs II. und Wilhelms II. bilden den jeweiligen Mittelpunkt, über sich jene Hohenzollern, die die bedeutsamen Rangerhöhungen des Hauses erreichten - wenn auch der eine aus eigenem Antrieb, der andere gezwungenermaßen - unter sich die weniger und nicht erwähnenswerten Vorgänger.

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