Der Jubeltag der Krone Preußens
Das Krönungsfest am 18. Januar 1901
Die Illumination der Stadt, die Weine wahrhaft glänzende“ war und die „innige Antheilnahme der Bevölkerung an dem Feste“ bekundete [41], hatte Wilhelm II. befohlen. Er richtete einen Erlaß an das Staatsministerium, der auch den weiteren Festschmuck Berlins betraf, und ordnete an, daß
„die Staatsgebäude beflaggt werden und daß an allen Orten, in denen am 18. Januar 1901 aus Anlaß dieser Gedenkfeier eine allgemeine Illumination stattfindet, die fiskalischen Gebäude, soweit sie nicht als Dienstwohnungen benutzt werden oder nach ihrer Zweckbestimmung zur Beleuchtung ungeeignet sind, für Rechnung des Staates erleuchtet und die bezüglichen Kosten aus dem betreffenden Büreaubedürfnißfonds angewiesen werden, wogegen die Kosten der Erleuchtung der Dienstwohnungen von den Inhabern derselben zu tragen sind.“ [42]
Die alljährliche Illumination anläßlich des kaiserlichen Geburtstages am 27. Januar sollte dafür „in Wegfall kommen.“ [43]
Im Eifer des monarchischen Enthusiasmus
Die kaiserlichen Instruktionen wurden über Gebühr befolgt. Klagen über die Verpflichtung zum Festschmuck waren nicht zu hören. Besonders herausgeputzt hatte man das Berliner Schloß und dessen Umgebung. Begeistert schrieb der „Deutsche Reichs- und Königlich Preußische Staatsanzeiger“, daß am Schloß „die Portalbauten der Lustgartenseite vom magischen Licht elektrischer Reflektoren übergossen" wurden. „Auch der Adler an der Ecke der Schloßterrasse erstrahlte in goldigem Glanze.“ Im Eifer des monarchischen Enthusiasmus erhielt das Schloß gar „Zinnen“, von denen Scheinwerfer „blendendes Licht auf das Denkmal Kaiser Wilhelms I.“ warfen.
Die Freude über besondere Lichteffekte, auch durch technische Neuheiten, scheint kaum gebändigt worden sein zu können:
„In der Säulenhalle des Alten Museums verbreiteten elektrische Bogenlampen wahre Tageshelle, auf der Rampe der Nationalgalerie loderten bengalische Flammen, über das Wasser herüber erglänzte das Licht der zahlreichen Kerzen, die in die Fenster des Zeughauses und der Kommandantur gestellt waren.“
Die Illumination des Opern- und des Schauspielhauses tat sich „ganz neu und eigenartig“ durch „Rohrleitungen mit Schlitzen“ in den Säulenhallen hervor, „aus denen Wasserdämpfe emporstiegen, die magisch roth beleuchtet wurden durch die Lichtfülle, die die hinter den Säulen verborgenen Bogenlampen ausstrahlten“. „Dreifach flammende“ Leuchtlinien im Portale, Lichtpyramiden und „farbige Flammen“ auf den öffentlichen Gebäuden begeisterten Journalisten und Bevölkerung. Die Botschaften und Gesandtschaften hatten die Flaggen ihrer Länder aufziehen lassen.
In freudigem Staunen kam das Volk auf seine Rechnung
Auch privater Initiative war ein festlicher Schmuck der Stadt über das engere Zentrum hinaus zu verdanken: „allen voran die großen Bankinstitute, Geschäfts- und Waarenhäuser Unter den Linden, Friedrichstraße, Leipziger Straße und deren Umgebung, in welcher sich hauptsächlich eine festesfrohe und schaulustige Menge bewegte.“ Die Lichtdekorationen dehnten sich bis in abgelegenere Straßen und Stadtteile, sogar in die Vorstädte Berlins aus, „wo man allenthalben erhellte Wohnungen und erleuchtete Schaufenster bemerken konnte.“ [44]
Einzig der „Vorwärts“ äußerte Kritik und spottete:
„Im freudigen Staunen kam das Volk vollends auf seine Rechnung. Die öffentlichen Gebäude nämlich strahlten genau nach amtlicher Vorschrift in begeistertem Lichtschmuck und ebenso hatten die großen Geschäftsinhaber ihr Spesenkonto durch Ausgaben für Flaggen und elektrische Lichteffekte erheblich belastet.“ [45]
Solche Diskrepanz in Erleben und Berichterstattung öffentlicher Feiern ist an sich nichts Besonderes und setzt sich bis in die Gegenwart fort.
Am Ehrentag der preußischen Krone schien die ganze Stadt auf den Beinen zu sein. „Von der Wilhelmstraße die Linden hinab bis zum Königlichen Schloße hatte das Publikum Spalier gebildet, denn es gab viel zu sehen.“ Spielten sich auch die eigentlichen feierlichen Akte des Krönungsfestes hinter den dem Volk verschlossenen Türen ab, mußten „Schutzleute zu Fuß“ die Linien und „Berittene“ die Straßen für die an- und abfahrenden Festgäste freihalten. [46]“ Brot und Spiele“ für das Volk verfehlten auch bei diesem Anlaß ihre Wirkung nicht.
Der Tag hatte für den Kaiser mit Kranzniederlegungen begonnen. Um viertel vor neun in der Früh begab sich Wilhelm II. zur Siegesallee, legte am Denkmal Friedrichs I. einen Kranz nieder und fuhr nach Charlottenburg zum Mausoleum, um hier seinen Großvater Wilhelm I. zu ehren. Es folgten dann die Empfänge für die geladenen Gäste im Berliner Schloß.
Die Stadt Königsberg hatte ihren Oberbürgermeister Hoffmann in Begleitung der beiden Vorsteher der Stadtverordneten-Versammlung nach Berlin entsandt, um dem Kaiser eine „Votivtafel“ zu überreichen. Gleichzeitig gab man bekannt, daß die städtischen Körperschaften anläßlich des Kronjubiläums 10 000 Mark zu Festgeschenken von zwei und drei Mark an die Empfänger von Armengeldern ausgeben wolle. [47]
Die Votivtafel zeigte über dem Wappen der Stadt Königsberg den preußischen Adler, der sich mit ausgebreiteten Schwingen über dem Albrechtsbau des Königsberger Schlosses links und dem Berliner Schloß mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal rechts erhob. Aus dem Adler „gleichsam herauswachsend baut sich das Königthum auf, zunächst verkörpert in der Gestalt Friedrichs I. nach dem Denkmal von Schlüter .“ Rechts und links rahmten Medaillons die Porträts Wilhelms I. und Wilhelms II. Die obere Inschrift lautete: „1701. 18. Januar. 1901. Krönungsjubiläum.“
Schwarzer Adlerorden, Königs- und Kaiserkrone sowie in sechs Medaillons die übrigen preußischen Könige zierten die rechteckige, farbig gefaßte Tafel. Eine zweite Inschrift enthielt die Widmung an Wilhelm II.: „Seiner Majestät dem deutschen Kaiser und König von Preußen Wilhelm II. huldigt in Ehrfurcht am 200. Gedenktage der ersten Königskrönung die Stadt Königsberg.“ [48]
Kein Kaiserreich ohne die preußische Königskrone
Am Nachmittag begrüßte Wilhelm II. eine Abordnung des Bundesrates. Der Reichstag hatte bereits am 17. Januar Wilhelm II. seine Glückwünsche ausgesprochen. Der Präsident, Graf von Ballestrem, betonte, wenn auch die Feier in erster Linie eine preußische Feier sei, habe der Reichstag doch
„alle Veranlassung an demselben aus vollem Herzen theilzunehmen, mit hoher Freude und dankbarem Aufblick zu dem gütigem Gott, welcher die Geschicke unseres Vaterlandes so wunderbar gnädig geleitet hat.“ Ohne die Preußische Krönung, so begründete Ballestrem, hätte es kein Deutsches Reich geben können. Eine dritte Krone sprach er Kaiser Friedrich III. zu, „und zwar nach dem Vorbild seines göttlichen Heilands die Dornenkrone des Königlichen Dulders.“ [49]
In einer „Thronrede“ richtete Ministerpräsident von Bülow am 8. Januar zur Eröffnung des preußischen Landtages anläßlich des Krönungs- und Ordensfestes Grüße des Kaisers aus und schloß mit den Worten, Seine Majestät sei sicher, daß es niemals „an der hingebungsvollen und verständnisvollen Mitwirkung des Preußischen Volkes und seiner verfassungsmäßigen Vertretung“ fehlen werde, „festzuhalten und auszubauen“, was in 200 Jahren „unter der Führung ruhmreicher Fürsten für Preußens Größe und Wohlfahrt errungen ist.“ [50]
Unter den Linden und in den umliegenden Straßen des Schlosses hatten sich die Menschenmassen im Lauf des Tages „zu festen Mauern verdichtet“.
Der Anhalter Bahnhof von einer Schutzmannskette gesperrt
Als am Nachmittag der Kaiser im Anhalter Bahnhof seine Gäste aus Italien, Portugal und Sachsen erwartete, wurde „der nach der Möckernstraße zu gelegene Fernbahnsteig“ „von einer dicht gezogenen Schutzmannskette für das Publikum gesperrt.“ [51] Die fürstlichen Gäste wurden im Schloß einquartiert, das auch im Inneren mit einem dem Anlaß entsprechenden Fahnenschmuck dekoriert worden war. Zur persönlichen Bedienung der Ehrengäste waren Mitglieder des Offizierskorps abgeordnet worden, die in den Fluren des Schlosses mit Ehrenkompanien und Galawachen aufwarteten. Anläßlich des Festgottesdienstes in der Schloßkapelle feuerte die im Lustgarten aufgestellte „Leibbatterie 1. Garde-Feld-Artillerieregiment ein Salut von 101 Schuß.“
Gottesdienste von besonderer Feierlichkeit gab es am 18. Januar 1901 in großer Zahl. Sowohl an die Armee und an die Marine als auch an die Kirchen- und Schulbehörden ergingen kaiserliche Erlasse, die Festgottesdienste und weitere Feierlichkeiten anordneten. Auf diese Weise verpflichtete Wilhelm II. die gesamte preußische Bevölkerung, das Jubiläum der Krone gebührend zu erinnern. Auf seine Veranlassung hin trat das Preußische Staatsministerium auch mit den katholischen Bischöfen der preußischen Monarchie in Verbindung, die sich wie die evangelischen Kirchenvertreter der kaiserlichen Anordnung fügten.
Auf eine Geburtstagsfeier wollte Wilhelm II. verzichten „im Hinblicke auf die vorangegangene nationale Feier“, setzte aber voraus, daß in den Gottesdiensten dieser Umstand erwähnt und „in den Schulen bereits am Tage vorher auf die Bedeutung des Tages hingewiesen“ werden würde. [52] Wie weit die kaiserliche Verfügungsgewalt reichte, zeigt der Erlaß des evangelischen Kirchenrats an die Konsistorien vom 4. Januar 1901: Als Gebet wurde empfohlen „die 2. der in der kirchlichen Agenda für Kaisers Geburtstag bestimmtes Gebet, in welches an geeigneter Stelle die Danksagung an Gott den Herrn einzufügen sein wird, daß Er die Krönung des ersten preußischen Königs zum Grundstein hat werden lassen, auf welchem in einer 200jährigen Geschichte der starke Bau des einigen Reiches erstanden ist.“ [53]
Die gesellschaftliche Bedeutung der Jubiläumsfeier wird bis in nebensächlich erscheinende Anordnungen, Verfügungen und Gewährungen deutlich. Für die katholischen Gemeinden fügte Kardinal-Fürstbischof Kopp die Erlaubnis hinzu, bei eventuell stattfindenden, außerkirchlichen Feierlichkeiten auch am Festessen teilnehmen zu dürfen. Den Schulbehörden war befohlen worden, einen Festgottesdienst und eine Feier abzuhalten. Darüber hinaus sollte der Unterricht zur Feier des Tages ausfallen, wie es auch für alle staatlichen Behörden angeordnet worden war.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ zeigte am 18. Januar 1901 alle Kirchenfeiern in Berlin an, nannte die Prediger und faßte die wichtigsten Predigten zusammen. "Für die Schulen der Stadt war der heutige Tag ein Tag besonderer Freude. In allen Anstalten kamen werthvolle Festgaben zur Vertheilung, vor allem die kunstvollen farbigen Gedenkblätter, welche Seine Majestät der Kaiser und König durch Professor Doepler d. J. hat ausführen lassen, dann auch die Schrift „Preußen unter der Königskrone“, die von hochherzigen Gönnern gespendeten Abdrucke des Festspiels „Hohenzollern“ von Axel Delmar und andere die Bedeutung des Tages bildlich oder poetisch erläuternde Gaben.“ Der Bericht der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ erläuterte außerdem die Festakte der Berliner Schulen. [54]
Die Fahnen und Standarten mit frischem Lorbeer geschmückt
Mittelpunkt der Feiern für das Militär waren die „in allen Garnisonskirchen und Militärgemeinden feierlichen Gottesdienste.“ Auf Befehl des Kaisers sollten „die Truppentheile möglichst vollzählig mit deren Vorgesetzten im Paradeanzuge“ daran teilnehmen. So weit möglich war der Anordnung Folge zu leisten, während des Gottesdienstes, „die Fahnen und Standarten, mit frischem Lorbeer geschmückt, am Altar aufzustellen.“ Ein Salut von 101 Schuß wurde dort gefordert, wo Artillerie vorhanden war. „Festessen“ und „festliche Speisung“ für Offiziere und Mannschaften standen auf dem Programm. Darüber hinaus wurde der 18. Januar für dienstfrei erklärt, aber es durfte nicht versäumt werden, die Mannschaften „schon vorher durch geeignete Offiziere über die Bedeutung der vor 200 Jahren erfolgten Erhebung Preußens zum Königreich zu unterrichten.“ [55] Der Wortlaut dieser Unterweisungen scheint vertrauensvoll den ausgesuchten Vorgesetzten überlassen worden zu sein.
Das Lieblingskind Wilhelms II., die kaiserliche Marine, erreichten besondere Verfügungen, „mit Rücksicht darauf, daß sie aus der ehemaligen preußischen Marine unmittelbar entstanden sei.“ Nach dem Gottesdienst mit ebenfalls möglichst vollzähliger Teilnahme erfolgten Parade und Paroleausgabe. „Alle Schiffe Sr. Majestät haben über die Toppen zu flaggen und die salutfähigen um 12 Uhr 21 Schuß Salut zu feuern.“ Marineangehörige und die Arbeiter der Staatswerften erhielten ohne Lohnausfall dienst- und arbeitsfrei. [56]
Eine Extra-Ausgabe des „Armee-Verordnungs-Blattes“ verkündete am 18. Januar 1901 in goldfarbener Bordüre des Kaisers Worte „An Meine Armee!“ und drei Erlasse, die sich an Armee und Marine wandten. Das Titelblatt zeigt einen Adler, von grünen, Früchte tragenden Bäumen gerahmt, vor strahlender Sonne, in der die Initialen WR ligiert erscheinen. Unter den empor gestreckten Schwingen erblickt man links das Königsberger Schloß, rechts das Schloß Berlin.
Die Ansprache Wilhelms II. beschwört die Unzertrennlichkeit von König und Armee im preußischen Staat, die „auf 200 Jahre alter Tradition“ beruhe, und er dankt „der Armee aus bewegtem Herzen“ „für ihre Hingabe, welche sie für mich und mein Haus im Dienste des Vaterlandes ohne Ruhe und Rast, Jahr aus, Jahr ein, selbstlos bethätigt.“ Als besondere Auszeichnungen anläßlich des preußischen Kronjubiläums verkündete Wilhelm II. an dieser Stelle die Stiftung des „Schießpreises“ für die Infanterieregimenter und ein neues „Koppel- und Schärpenschloß“ für die Marineangehörigen, auf dem fortan „auf dem Anker ein vergoldetes oder ein versilbertes W“ getragen werden durfte.
Ein Standbild des Kurfürsten für Kiel
Nach Angaben der Kieler und der Wilhelmshavener Zeitung sollte dem Kommando der Marinestation Ostsee und der Marinestation Nordsee jeweils die Summe von 50 000 Mark überwiesen werden, „deren Zinsen für Hinterbliebene der zu den Stationen gehörenden Seeoffiziere der Kaiserlichen Marine zu verwenden seien.“ Der Marineakademie in Kiel stiftete Wilhelm II. ein bronzenes Standbild des Großen Kurfürsten. [57]
Ein Bronzeabguß gehörte auch zu den „Gnadengeschenken“, die Wilhelm II. zur Feier des 18. Januar 1901 verteilte: Die Stadt Potsdam erhielt eine Replik des in der Siegesallee errichteten Standbildes Friedrichs II. „zur Aufstellung in der Plantage“. Weitere Gnadengeschenke gingen an den Provinzialverband der vaterländischen Frauenvereine zu Königsberg in Preußen, an das Diakonissen-Mutterhaus in Danzig, das Hessische Diakonissenhaus, an den Gemeindeskirchenrat der Friedenskirche in Potsdam und an den Saalburgfonds zu Homburg. [58]
Einen feierlichen Ausklang des Krönungsfestes am 18. Januar 1901 fand die höfische Gesellschaft in der „Fest-Vorstellung zur Zweihundertjahr-Feier des Königreichs Preußen“ im königlichen Opernhaus. [59] Die dreieinhalbstündige Vorstellung bestand aus zwei Teilen: Zunächst gab man den „Adlerflug“, ein Spiel von Josef Lauff mit der Musik von Josef Schlar. Ihm folgte das Schauspiel „Das Testament des Großen Kurfürsten“ von Gustav zu Putlitz, wie der „Adlerflug“ von „Oberregisseur“ Max Grube in Szene gesetzt. [60]
Begeistert berichtete die „Vossische Zeitung“ von beiden Stücken. Die naheliegende Vermutung, den künstlerischen Gestaltern der Festlichkeiten habe es an Phantasie gemangelt, wenn immer wieder der flügelschwingende Adler über Königsberg und Berlin bemüht wurde, wird spätestens mit diesem Spiel vom „Adlerflug“ widerlegt. In der gewollten Wiederholung liegt Absicht. Sie betont die historische Kontinuität der Geschichte, als deren Garant die Hohenzollern-Dynastie sich bewährte.
Kraft, Treue und Gottvertrauen
Der „Adlerflug“ begann „mit einer Ouvertüre in düstern ahnungs- und geheimnisvollen Weisen und Akkorden“. „In wilder halbnächtiger Waldlandschaft“ agierten Klio, die Geschichtsschreiberin, der „Zeitgeist“, der „Werdegang“, die „Kraft“, die „Treue“ und das „Gottvertrauen“. „Sie alle sprachen pompös tönende und auch sinnvoll bedeutsame Worte in gebundener Rede“, „die sich auf das Werden und Wachsen der Größe Deutschlands mit den und durch die Hohenzollern“ bezogen.
Vor der im Hintergrund aufsteigenden Burg Hohenzollern erschien der „Genius der Hohenzollern“ und sprach „in flammenden Worten von dieses Genius Kräften und Thaten, von des Vaterlandes Vergangenheit und Zukunft.“ Als mächtiger Pfeiler Brandenburg-Preußens durfte die Reformation in diesem feierlichen Spiel nicht fehlen: War es nicht der Übertritt der Hohenzollernfürsten Joachim, Albrecht und Johann in das protestantische Lager, dem der Protestantismus es verdankte, daá er sich im Deutschen Reich gegen die habsburgisch geführte katholische Partei durchsetzen konnte? - Es ertönte der „Gesang des Lutherischen Trutzliedes“. Am Ende des Stückes erschien Friedrich I., „hebt die Krone empor, um sie auf sein Haupt zu setzen“.Unter „rauschenden pompösen Schluß-Akkorden“ und „schmetternden Fanfarenklängen“ fiel der Vorhang.
Das „Testament des Großen Kurfürsten“ beschrieb der Journalist der "Vossischen Zeitung" nur knapp in Hinsicht auf die Musik, da er dessen Inhalt bei den Zeitgenossen als bekannt voraussetzen konnte. Die vier Akte des Stückes wurden mit Orchestersätzen von Händel und Johann Sebastian Bach eingeleitet, „was eine eigenthümlich feierlich prächtige Wirkung machte. Als der Vorhang über dem Bilde der versöhnten Familie gefallen, verließ der Hof und die ganze Versammlung ohne jede Schlußdemonstration das Haus.“ [61]
Der „Vorwärts“ widmete sich gleich zweifach dem „Adlerflug“. Einmal um eine rhethorische Verirrung Ballestrems in seinen Glückwünschen an den Kaiser zu verspotten, ein anderes Mal zitierte er die „Münchener Allgemeine Zeitung“, die berichtet haben soll, daß der „Adlerflug“ „seine Entstehung einer Anregung des Kaisers“ verdanke. Die Mutmaßung empörte die Sozialdemokraten gehörig, da man „den Flug des preußischen Mars ja nicht schildern“ könne, „ohne zugleich derer zu gedenken, deren Bahnen er gekreuzt und mit denen er vielfach, auf Tod und Leben, gekämpft hat.“ Da viele Vertreter aus in- und ausländischen Staaten als Gäste der Aufführung beiwohnten, die einst Feinde Preußens waren, wolle man „aufrichtig wünschen, daß es gelungen sein möge, das Festspiel so zu gestalten, daß es den Ruhm der preußischen Monarchie und ihrer Beherrscher verkündigt, ohne bei einem der hohen und höchsten Herren vom Ausland Anstoß zu erregen oder peinliche Erinnerungen zu wecken.“
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