Gerhild Komander

Frauenthemen

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Schiller Phil 150Wie sich Frauen den Zutritt zur Universität erstritten

Am 29. März 1896 dürfen erstmals in Berlin junge Frauen die Abiturprüfungen ablegen. Auf einem Gymnasium waren sie nicht. Es gab 1896 kein Gymnasium für Mädchen.

 

Eine mächtige, an die Wurzeln unserer Kultur greifende Bewegung

Der 29. März 1896 ist ein bedeutsames Datum für die deutsche Bildungsgeschichte.

Sechs junge Frauen legten am Königlichen Luisengymnasium zu Berlin ihr Abitur ab. „Es ist das erste Mal in Deutschland, daß Frauen, die in einer eigens für sie errichteten Anstalt vorbereitet waren, die Reifeprüfung für die Universität ablegten", berichtet Gertrud Bäumer zehn Jahre später.

Die jungen Frauen waren: Ethel Blume, Johanna Hutzelmann, Irma Klausner, Else von der Leyen, Margarete von der Leyen, Katharina Ziegler. Sie studierten Medizin, alte Sprachen, Mathematik. Die Medizinerinnen Irma Klausner (1874-1959) und Else von der Leyen (1874-1908) praktizierten beide nach einem Studium in Halle und Heidelberg in Berlin.

 

Kaiserin Victoria unterstützt die Frauenbewegung

Begonnen hatte die Geschichte im Jahre 1888, das oft auch als „Dreikaiserjahr" bezeichnet wird, weil in diesem Jahr Wilhelm I., sein Sohn Friedrich III. starben, und Wilhelm II. an die Regierung kam. Für die weibliche Seite der Geschichte war jedoch ein weibliches Mitglied der Kaiserfamilie von Bedeutung, Kaiserin Victoria. Denn sie unterstützte die Pläne, die Frauen den gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Wissen ermöglichen sollten. Die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts waren nicht die besten der Frauenbewegung.

 

„Immerhin gab es kleine Kreise,
denen die Frauenfrage in anderem Lichte erschien ..."

„Immerhin gab es kleine Kreise, denen die Frauenfrage in anderem Lichte erschien als in dem einer wirtschaftlichen Mittelstandsfrage, die dem Wunsche nach Selbstentfaltung und innerer Bereicherung, der neben dem Streben nach wirtschaftlicher Versorgung in all den lautwerdenden Wünschen und Forderungen lebendig war, Verständnis und Zustimmung entgegenbrachten." Gertrud Bäumer nennt an erster Stelle das Haus des Reichstagsabgeordneten und Juristen Karl Schrader und seiner Frau, der Pädagogin und Gründerin des Berliner Pestalozzi-Fröbel-Hauses Henriette Schrader-Breymann.

 

Schulen für Mädchen gab es ja, doch sie wurden geleitet von Männern, in der Regel von reaktionären Köpfen. Die Erziehung der jungen Menschen hielt mit den Erfordernissen der Zeit nicht mit. 1887 reichte deshalb die Politikerin Helene Lange im Namen Berliner Frauen dem Kultusministerium eine Petition ein, in der sie forderte, mehr weibliche Lehrkräfte in den höheren Mädchenschulen einzustellen und eine geeignete akademische Vorbildung für diese Lehrkräfte anzubieten. Vergeblich.

Die Umgestaltung der höheren Mädchenschule – sie umfasste fünf Klassen – diskutierte Helene Lange mit Henriette Schrader-Breymann, den Ärztinnen Hedwig Heyl und Franziska Tiburtius, der Politikerin Minna Cauer und anderen. Kronprinzessin Victoria ermunterte die Frauen – noch in der Hoffnung ihr Gatte Friedrich würde bald regieren, das Konzept für eine Musteranstalt der Frauenbildung zu entwerfen.

 

Keine Chance für Frauenbildung im Kaiserreich

Die Reorganisation der staatlichen Mädchenbildung war zu diesem Zeitpunkt nicht durchsetzbar. In privatem Kreis wollten die Frauen „einen praktischen Versuch" wagen. Aufbauend auf die vollendete höher Mädchenschule sollten junge Frauen im logischen Denken geschult werden, sollte an moderne Bildungsinteressen angeknüpft werden und eine allgemeine Bildungsgrundlage für praktische Berufe und, so weit möglich, für die Universität angeboten werden. Sie gründeten die Vereinigung zur Veranstaltung von Gymnasialkursen für Frauen, der auch männliche Vertreter angehörten.

 

Als eine Veranstaltung des wissenschaftlichen Zentralvereins, der die Humboldt-Akademie begründet hatte, konnten die Realkurse für Frauen am 10. Oktober 1889 in der Aula der Charlottenschule in Anwesenheit der Kaiserinwitwe Victoria eröffnet werden. Das Ziel, die jungen Frauen auch auf ein Universitätsstudium hin auszubilden, mußte zurückgestellt werden. Eine Zulassung von Frauen zum Studium war damals einfach unwahrscheinlich. Dennoch enthielt der Stundenplan der auf vier Semester angelegten Realkurse den Lehrstoff der Gymnasien, für den die Jungen viele Jahre Zeit hatten.

 

Ein Gymnasium für Frauen

Als sich die Aussicht, daß Frauen an der einen und anderen deutschen Universität der Zutritt gestattet würde, vergrößerte, wandelte der Vorstand der Vereinigung zur Veranstaltung von Gymnasialkursen für Frauen die Realkurse in Gymnasialkurse um. Nun dehnte sich der Unterricht über acht Semester aus, umfasste die Fächer Deutsch, Lateinisch, Griechisch, Französisch, Geschichte, Geographie, Mathematik, Biologie, Physik, Religion. Bis auf das Fach Religion hatten die Studentinnen der Gymnasialkurse die Fächer in ihrer bisherigen Schullaufbahn nicht kennengelernt. Das Abitur legten die Absolventinnen als „Externe" an anderen Berliner Gymnasien ab.

Als die Städte Berlin, Charlottenburg und Schöneberg die ersten Gymnasien für Mädchen eröffnet hatten, legte das Kuratorium um Helene Lange im Herbst 1906 die Verantwortung für die Gymnasialkruse nieder. Es hatte seine Aufgabe erfüllt, sein Ziel, Pionierarbeit zu leisten, erreicht. Wie erfolgreich die Arbeit gewesen war, zeigte sich im Frühjahr 1906: Alle 35 Frauen des Jahrgangs bestanden die Reifeprüfung.

 

Frauen greifen an die Wurzeln der Kultur

Und wie ging es weiter? Das Ziel der geistigen Befreiung war erreicht. Auf dem Weg zum Universitätsstudium legten Männer den Frauen alle erdenkbaren Steine in den Weg. Die Frauen nahmen die Stein auf – und bauten eine Treppe daraus. Die Abiturientinnen von 1896 wurden in keinem deutschen Bundesstaat immatrikuliert. Griffen nicht die weiblichen Forderungen an die Wurzeln der Kultur? Man duldete sie an machen Orten zunächst bloß als Hospitantinnen. Die Frauen der ersten Abiturjahrgänge waren fast alle in ihren Hörsälen, Seminaren und Laboren die ersten und bereiteten den Boden für die Nachkommenden. Im Frühjahr 1899 beschloß der Bundesrat, Frauen zum medizinischen Studium zuzulassen.

 

Die Gleichstellung der vor 1900 in der Schweiz absolvierten Studienabschlüsse mußten die Inhaberinnen mit einer zusätzlichen Eingabe erkämpfen. Karl Schrader und sein Kollege Heinrich Rickert setzten sich noch 1899 vergeblich für die Petition einer ehemaligen Schülerin der Berliner Gymnasialkurse ein, in der sie bat, zur staatlichen Approbation zugelassen zu werden und die Immatrikulation an allen reichsdeutschen Universitäten zu gestatten.

Derselbe Bundesrat, der diese Petition ablehnte, hatte der Forderung nach der Zulassung von Frauen zum Staatsexamen stattgegeben. Die erste Universität, die positive Konsequenzen zog, war die Universität zu Heidelberg. Sie nahm im Sommersemester des Jahres 1900 erstmals Frauen als ordentliche Hörerinnen auf.

 

Gerhild H. M. Komander

Der Text erschien zuerst im "Berliner Lindenblatt" Dezember 2006.

 

Leseempfehlung:

Gertrud Bäumer: Geschichte der Gymnasialkurse für Frauen zu Berlin, herausgegeben vom Vorstand der Vereinigung zur Veranstaltung von Gymnasialkursen für Frauen, Berlin: W. Moeser Buchdruckerei 1906. Mit einem Porträt der 2. Vorsitzenden Helene Lange. - Die Schrift ist im Zentrum für Berlin-Studien vorhanden.

 

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Schiller Philosophie

Frauen in Berlin

1. Januar 1950 Die Schauspielerin Gertrud Eysoldt stirbt in Ohlstadt b. Murnau.
1. Januar 2010 Freya Gräfin von Moltke, Widerstandskämpferin, Schriftstellerin, Juristin, stirbt in Norwich, Vermont, USA.
2. Januar 1850 Elisabeth Gnauck-Kühne, Erzieherin, Schriftstellerin, Sozialpolitikerin, kommt in Vechede zur Welt.
6. Januar 1870 Die Gewerkschafterin Paula Thiede kommt in Berlin zur Welt.
7. Januar 1890 Augusta Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach Königin von Preußen und Deutsche Kaiserin stirbt in Berlin.
7. Januar 1890 Henny Porten, Schauspielerin, wird in Magdeburg geboren.
8. Januar 1840 Elise von Delbrück, Kunstfreundin und -förderin, kommt in Berlin zur Welt.
11. Januar 1860 Zarin Alexandra Feodorowna, geborene Prinzessin Charlotte von Preußen, stirbt in St. Petersburg.
13. Januar 1780 Luise Amalie Herzogin von Braunschweig-Bevern Prinzessin von Preußen, Königinmutter, stirbt in Berlin.
15. Januar 1900 Ella Auerbach, erste Berliner Rechtsanwältin mit Zulassung am Kammergericht, kommt in Frankfurt/Main zur Welt.
17. Januar 1860 Marie von Bunsen, Schriftstellerin und Malerin, wird in London geboren. (16.1.)
18. Januar 1870 Die Theaterleiterin Julie Gräbert, genannt Mutter Gräbert, stirbt in Berlin.
23. Januar 1980 Die Bühnen- und Film-Schauspielerin Lil Dagover stirbt in München.
28. Januar 1910 Tatjana Sais, Schauspielerin und Kabarettistin, wird in Frankfurt a. M. geboren.
29. Januar 1970 Käthe Kühl, geborene Nehrhaupt, Kabarettistin und Schauspielerin, stirbt in Berlin.


5. Februar 1790 Die Schriftstellerin Minna Apranzow wird in Berlin geboren.
11. Februar 1920 Die Malerin und Salonnière Luise Begas-Parmentier stirbt in Berlin.
12. Februar 1850 Die Schriftstellerin Auguste Hauschner kommt in Prag zur Welt.
18. Februar 1840 Elisabeth Christine Ulrike Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel Prinzessin von Preußen stirbt in Stettin.
19. Februar 1980 Die Sozialarbeiterin Idamarie Solltmann stirbt in Dinklage.
20. Februar 1890 Evelyn Faltis, Komponistin, wird in Trautenau / Böhmen geboren.
22. Februar 2000 Olga Jensch-Jordan, Kunstspringerin und Trainerin, stirbt in Berlin.
23. Februar 1540 Hedwig Markgräfin von Brandenburg, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg sowie Fürstin von Braunschweig-Wolfenbüttel, Tochter des brandenburgischen Kurfürstenpaares Joachim II. und Hedwig von Polen, kommt im Schloß zu Cölln (Berlin) zur Welt.
23. Februar 1860 Die Schriftstellerin Margarethe von Bülow kommt in Berlin zur Welt.
27. Februar 1860 Die Schauspielerin Paula Conrad-Schlenther kommt in Wien zur Welt.
27. Februar 1930 Helga Grebing, Historikerin und Professorin, kommt in Berlin zur Welt.


6. März 1940 Else Lehmann (Lehmann-Kuh), Schauspielerin, stirbt in Prag.
9. März 1980 Die Schauspielerin Olga Tschechowa stirbt in München.
12. März 2010 Hanna-Renate Laurien, Lehrerin und Politikerin, stirbt in Berlin.
13. März 1940 La Jana, geborene Margarethe Henriette Hiebel, Schauspielerin und Tänzerin, stirbt in Berlin.
15. März 1950 Die Schriftstellerin Susanne Kerckhoff stirbt in Berlin.
20. März 1880 Magda Trott, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, kommt in Freystadt (Schlesien, heute Kożuchów, Polen) zur Welt.
21. März 1860 Martha Fontane, Herausgeberin, kommt in Berlin zur Welt.
25. März 1880 Ludmilla Assing, Schriftstellerin, stirbt in Florenz.

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