„Traum meiner Jugend, Erfüllung im Alter! Ich sterbe als Republikanerin.“

Eine Erinnerung an Minna Cauer zum 100. Todestag

Frauengeschichte in Berlin

„Traum meiner Jugend, Erfüllung im Alter! Ich sterbe als Republikanerin.“
Die Worte von Minna Cauer verraten wenig über ihr äußeres, doch um so mehr über ihr inneres Leben, denn es braucht Jahrzehnte, bis aus der Pfarrerstochter eine politische Streiterin wird.

Als sie am 1. November 1841 im Pfarrhaus in Freyenstein zur Welt kommt, liegen unbeschwerte Jahre vor ihr. Sie darf nach der Volksschule die Höhere Töchterschule besuchen. Das Lehrerinnenexamen macht sie nicht, sondern heiratet früh, verliert Ehemann und Sohn innerhalb weniger Jahre.

Liberale Auffassungen lernt sie durch ihren zweiten Ehemann kennen, dem sie als Lehrerin in Hamm begegnet. Eduard Cauer, Sohn des Berliner Pädagogen Ludwig Cauer, und selbst Gymnasialdirektor, befaßt sich in seinen Schriften auch mit der Reform der Mädchenbildung und der Lehrerinnenausbildung. 1881 stirbt Cauer.

Die abermalige Witwe widmet ihre zweite Lebenshälfte ganz und gar den Frauenrechten, gründet Vereine, tritt der von Bertha von Suttner begründeten Friedensgesellschaft bei und empört sich darüber, daß der Bund Deutscher Frauenvereine (BDF), keine Vereine der proletarischen Frauenbewegung zulassen will. 25 Jahre lang - von 1895 bis 1919 gibt sie die Zeitschrift "Die Frauenbewegung" heraus und führt den Vorsitz im neu gegründeten Verband fortschrittlicher Frauenvereine, Dachverband der radikalen Frauenvereine. Ab 1902 arbeitet sie mit aller Kraft im neu gegründeten Frauenstimmrechtsverein von Anita Augspurg und Lida Gustava Heimann für die Durchsetzung des Frauenwahlrechts.

Mit Ende des Ersten Weltkrieges erreichen die Frauen ihr Ziel. Minna Cauer tritt der Deutschen Demokratischen Partei bei und lehnt - wie so viele Menschen im Deutschen Reich - den Versailler Vertrag vehement ab. Die Freude über die Erfüllung des Jugendtraums trübt sich sehr durch die harten politischen Auseinandersetzungen innerhalb ihres Freundes- und Bekanntenkreises.

Das Grab Minna Cauers befindet sich auf dem Alten St. Matthäusfriedhof.


Eine gute Nachricht zum 100. Todestag Minna Cauers kommt aus ihrer Geburtsstadt Freyenstein:

https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/08/100-todestag-minna-cauer-frauenrechtlerin-brandenburg-prignitz.html


Weitere Frauen, die in Berlin lebten und wirkten und am 3. August geboren wurden oder starben, gibt es im Frauenkalender Berlin, meiner Sammlung von Frauendaten aus der Berliner Geschichte:

3. August 1839 Die Literaturkritikerin und Schriftstellerin Dorothea Schlegel, geborene Brendel Mendelssohn, geschiedene Veit, stirbt in Frankfurt am Main.

3. August 1897 Die Sängerin Marie Seebach stirbt in Berlin.

3. August 1902 Regina Jonas, Rabbinerin, kommt in Berlin zur Welt.

3. August 1935 Die Mikrobiologin Lydia Rabinowitsch-Kempner stirbt in Berlin.

3. August 1967 Hildegard Moniac, Gewerbeschullehrerin, stirbt in Rüdersdorf bei Berlin.

3. August 2006 Die Opern- und Liedsängerin Elisabeth Schwartzkopf (Olga Maria Elisabeth Frederike Legge-Schwarzkopf) stirbt in Schruns, Österreich.

Über Bertha von Suttner spreche ich am 9. März 2023 in der VHS Potsdam im Bildungsforum Potsdam.

 Cauer Minna Grabmal 560

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