Gerhild Komander

Tipps + Termine

.........................................

Stadtführung Berlin 
Boxhagener Platz, Friedrichshain - Stadtführung in einem Szenekiez
In Zusammenarbeit mit der VHS Reinickendorf
Sonnabend, 24.2.18, 11 Uhr

150 Westhafen

Vortrag zur brandenburgischen und Berliner Geschichte
Die Hugenotten kommen!
In Zusammenarbeit mit dem Gerhart-Hauptmann-Museum Erkner
Montag, 26.2.18., 18 Uhr

Maerchenbr 150

 

SpandauerStr 150Berlin ohne die „Linden" oder: Warum die Spandauer Straße nicht (mehr) nach Spandau führt

Es gab eine Zeit in der Berliner Geschichte, da existierte die Straße Unter den Linden nicht. Damals führte nur ein Reitweg in den Tiergarten hinein. 

 

Der Tiergarten erstreckte sich bis in die Gegend, wo heute die Neue Wache von Karl Friedrich Schinkel steht

Es gab eine Zeit in der Berliner Geschichte, da existierte die Straße Unter den Linden nicht. Damals führte nur ein Reitweg in den Tiergarten hinein, der sich bis in die Gegend erstreckte, wo heute die Neue Wache von Karl Friedrich Schinkel steht. Erst 1647 ließ Kurfürst Friedrich Wilhelm die Straße anlegen, die später, viel später, den Namen Unter den Linden erhielt. Im 17. Jahrhundert war der Weg von Nußbäumen gesäumt. Der Tiergarten war tatsächlich ein Garten, ein eingezäuntes Gelände, in dem die kurfürstlichen Jäger wilde Tiere zur Jagd ihres Herrn zusammentrieben. Auf diese Bediensteten des Hofes verweist die Jägerstraße, die nach dem kurfürstlichen Jägerhof benannt wurde.

 

Vom Hohen Haus zur Spandauer Burg

Die brandenburgischen Landesherren hatten seit den Anfängen der städtischen Entwicklung der Schwesterstädte Berlin und Cölln einen Sitz in Berlin, das Hohe Haus in der Klosterstraße, und im älteren Spandau, auf der Burg, später die Zitadelle. Über Spandau ging es weiter in die westliche Mark unHeiliggeist 250d an den Rhein. Diesen Weg nahmen nicht nur die Markgrafen und Kurfürsten, sondern auch die Kaufleute und Heere, letztlich alle Menschen, die Berlin Richtung Westen verließen oder aus dem Westen nach Berlin reisten.

 

Middelstraße, Am Kohlenmarkte, Gegen dem Rathaus

Die Spandauer Straße beginnt seit frühester Zeit der Berliner Stadtentwicklung am Berliner Molkenmarkt, führt an der Ostseite der Nikolaikirche, dann an der südwestlichen Front des Rathauses vorbei. Straßennamen waren im Mittelalter keine festen Bezeichnungen. So wechselte diese Straße ihren Namen von Mensch zu Mensch und von Zeit zu Zeit. Am längsten hielt sich der Name Am Spandauer Thor, andere Namen waren Middelstraße, am Kohlenmarkte, gegen dem Rathaus und neben dem Rathaus.

Hinter dem Rathaus kreuzt die Straße nach Spandau die Rathausstraße, einst Königstraße, davor Georgenstraße oder Oderberger Straße. An der Kreuzung Spandauer Straße und Rathausstraße öffnen sich seit wenigen Jahrzehnten links und rechts des Weges weite Plätze, das Marx-Engels-Forum und der namenlose Platz vor der Marienkirche. Diese leeren Flächen bildeten die Neustadt Berlin, im 13. Jahrhundert gegründet von den askanischen Markgrafen, die auch die zweite Stadtpfarrkirche stifteten.

 

Abriss für die kaiserliche Schneise

Die Karl-Liebknecht-Straße, die die Spandauer Straße nun kreuzt, gab es in mittelalterlicher Zeit nicht. Auch bis in das 19. Jahrhundert führte in ihrem heutigen Verlauf kein Weg nach Westen aus Berlin heraus. Wer in den Lustgarten wollte, mußte zurückkehren und über die Lange Brücke / Kurfürstenbrücke / Rathausbrücke um das Schloß herumlaufen. Ende des 19. Jahrhunderts ließ Kaiser Wilhelm II. einen Teil des Schlosses einreißen, um Platz zu schaffen für die neue Magistrale, die unter dem Namen Kaiser-Wilhelm-Straße die Straße Unter den Linden fortsetzte.

Die Spandauer Straße zieht sich weiter bis zur Heiliggeistkapelle, die damals der kleinere Teil eines großen Hospitalgeländes war. Im Mittelalter endete die Straße an dieser Stelle, etwa auf Höhe der Anna-Louisa-Karsch-Straße, denn hier befand sich die Stadtmauer mit dem Spandauer Tor. Mit dem Bau der Berliner Festung fiel die Stadtmauer, das Spandauer Tor wurde nach Norden versetzt. Daran erinnert er das Straßenschild „An der Spandauer Brücke". Die Brücke führte über den Festungsgraben, der bestehen blieb, auch als unter Friedrich Wilhelm I. ab 1737 die Festung geschleift wurde. Den Verlauf des Grabens zeichnet in etwa der Bogen der Stadtbahn nach.

Jenseits des Stadttores verlief der Weg nach Spandau dann weiter nördlich der Spree entlang: über die Oranienburger Straße auf nicht mehr vorhandenen Wegen zum Königsdamm, der heute Heckerdamm heißt. Mit der Anlage des Schlosses Lietzenburg / Charlottenburg entstand eine zweite Spandauer Straße, die heute Spandauer Damm und Spandauer Chaussee heißt.

 

Gerhild H. M. Komander

 

Der Text erschien zuerst im "Berliner Lindenblatt", 2007.

Zurück zum Seitenanfang

Zurück zum Überblick Berliner Straßen und Plätze

 

Berliner Geschichte   Berliner Straßen   Spandauer Straße   Berlin Mitte   Tiergarten   Kurfürst Friedrich Wilhelm   Berliner Rathaus   Rathausstraße   Marienkirche   Nikolaikirche   Heiliggeistkapelle

 

Berlin im Blick

Berliner Geschichte

1278 Das St. Georgs-Hospital wird erstmals urkundlich namentlich erwähnt.
1288 Erste urkundliche Erwähnung von Lichtenberg, Lichterfelde und Rosenfelde (Friedrichsfelde)

1308 3. März Die Doppelstadt Berlin-Cölln schließt ein Schutzbündnis mit anderen märkischen Städten.
Erste urkundliche Erwähnung von Heiligensee
1348 Die Pest fordert auch in der Mark und in Berlin-Cölln viele Tote. Die Juden werden als Urheber beschuldigt und verfolgt.
Der "falsche Woldemar" trifft in Berlin ein. König Karl IV. anerkennt ihn als letzten Askanier, um ihn als Verbündeten gegen die Wittelsbacher einzusetzen.
Ein Stadtbrand richtet großen Schaden an.
1358 Erste urkundliche Erwähnung von Stralau
1378 Sigismund, zweiter Sohn Karls IV., wird Mitregent in der Mark.
Am 29. November stirbt Karl IV.
1388 Markgraf Sigismund wird König von Ungarn und verpfändet die Mark Brandenburg an seinen Vetter Jobst von Mähren.

1448 Die Bürger von Berlin und Cölln erheben sich im Berliner Unwillen gegen den Landesherren.
19. Juni Berlin und Cölln unterwerfen sich dem Kurfürsten.
Zunftprivilegien darf zukünftig nur der Landesherr gewähren.
1458 28. April Auf dem Neuen Markt wird Matthäus Hagen nach einem Inqisitionsprozess als Anhänger der hussitisch-taboristischen Lehre hingerichtet.
1488 Der Kurfürst erhebt die „Bierziese".
10. September Johann Zehender erhält das städtische Privileg für zwei Apotheken in Berlin.

1518 Die kurfürstliche Städte- und Polizeiordnung legt einheitliche Maße und Gewichte fest.
1528 25. März Kurfürstin Elisabeth flieht nach Wittenberg.
1538 bis 1540 Caspar Theyss erbaut das Renaissanceschloß zu Cölln.
1558 In Köpenick entsteht das Renaissanceschloss.
Das Gutshaus Tegel wird urkundlich erwähnt.
1568 Erste urkundliche Erwähnung von Treptow
1578 Rochus Guerini Graf zu Lynar kommt nach Berlin, erweitert das Schloss und baut die Spandauer Zitadelle aus.
Am Spandauer Mühlentor lässt er eine Pulvermühle errichten.
1598 Joachim Friedrich wird Kurfürst.

1608 Johann Sigismund wird Kurfürst.
1618 Der Dreißigjährige Krieg beginnt.
In Cölln wird eine reformierte Domschule für Knaben gegründet.
1628 Markgraf Sigismund fordert von der Bürgerschaft 140 000 Taler Kontribution zum Unterhalt der kaiserlichen Truppen.
Wallenstein nimmt Quartier in Berlin-Cölln.
Der Kurfürst erlässt ein Verbot für Zeitungen.
Matthias Czwiczek wird brandenburgischer Hofmaler.
Die Pocken breiten sich in Berlin-Cölln aus.
1638 Kurfürst Georg Wilhelm übergibt Adam Graf Schwarzenberg die Statthalterschaft.
1648 Die Pocken breiten sich in Berlin-Cölln aus.
Zu Münster und Osnabrück wird der Westfälische Frieden geschlossen.
1658 Berlin-Cölln wird Garnisonstadt: Der Kurfürst läßt in 508 Bürgerhäusern 1 500 Militärangehörige mit ihren 400 Frauen und 500 Kindern sowie Dienstpersonal einquartieren.
Der Bau der Festungsanlagen beginnt unter der Leitung von Johann Gregor Memhardt.
Einfuhrverbot für Glaswaren
1668 24. Juni Friedrich Wilhelm heiratet in zweiter Ehe Herzogin Dorothea von Holstein-Glücksburg.
1678 Der Hofjägermeister von Lüderitz legt die Hasenheide an.
Benjamin Raule errichtet durch Umbau des kurfürstlichen Ballhauses Raules Hof auf dem Friedrichswerder.
30. Juli Mit der Grundsteinlegung für die Dorotheenstädtische Kirche wird der erste Kirchenbau in Berlin-Cölln seit dem Mittelalter begonnen.
Adam de Clerck wird kurfürstlicher Hofmaler.
1678 bis 1687 Rutger van Langerfeld und Michel Matthias Smids erbauen die Dorotheenstädtische Kirche.
1688 9. März Der Große Kurfürst stirbt. - Friedrich III. (I.) wird Kurfürst.
14. August Friedrich Wilhelm I. (der Soldatenkönig) wird geboren.
Der Perspektivplan von Berlin-Cölln, gezeichnet von Johann Bernhard Schultz, erscheint.
Samuel von Pufendorf wird kurfürstlicher Historiograph.
Constantin Friedrich Blesendorf, Johann Ulrich Crause und Augustin Oldenburgh fertigen das Kupferstichwerk zum Leichenbegängnis des Kurfürsten Friedrich Wilhelm an.
Johann Arnold Nering beginnt mit der Anlage der Friedrichstadt.
Der Gendarmenmarkt wird angelegt.
Abraham Jansz Begeyn wird kurfürstlicher Vedutenmaler.
1698 Andreas Schlüter beginnt mit Um- und Neubau des Residenz-schlosses.
Der Marinemaler und Schiffsbaumeister Michiel Maddersteeg wird an Hof berufen.

1708 27. November Friedrich I. und seine dritte Gemahlin Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin ziehen in Berlin ein.
1718 Die Berliner Hausbesitzer gründen die Versicherungsgesellschaft der Feuersozietät Berlin.
Der von Johann Sigismund Elsholtz 1679 angelegte Hof- und Küchengarten bei Schöneberg (Kleistpark) erhält die Bezeichnung Botanischer Garten.
Friedrich Wilhelm I. besucht erstmals die Synagoge.
1728 Der Prozeß gegen Dorothea Steffin ist der letzte Hexenprozeß in Berlin.
1738 Friedrich Wilhelm I. schenkt das Neue Lusthaus der Berliner Kaufmannschaft zur Einrichtung ihrer Börse.
1748 15. November Das Invalidenhaus wird eingeweiht.
Gotthold Ephraim Lessing kommt zum ersten Mal nach Berlin.
Der Invalidenfriedhof wird angelegt.
Johann Julius Hecker gründet ein Lehrerseminar.
Friedrich II. verfügt die Verhaftung von Bettlern und deren Überstellung ins Zuchthaus oder zur Arbeit im Ochsenkopf.
Die Künstler Blaise Nicolas Lesueur und Charles Amédée Philippe Vanloo werden nach Berlin berufen.
Der Arzt und Philosoph Julien Offray de La Mettrie wird an den königlichen Hof berufen.
1748 bis 1766 Jan Boumann erbaut das Palais Prinz Heinrich (Humboldt-Universität).
1768 21. März Das Lustspiel „Minna von Barnhelm" von Gotthold Ephraim Lessing wird in der Behrenstraße uraufgeführt.
1778 Gründung der Jüdischen Freischule
Johann Wolfgang von Goethe besucht Berlin und Potsdam.
1788 Der König erläßt das Religionsedikt und eine Zensurverordnung.
Martin Heinrich Klaproth entdeckt die Zirkonerde und das Uranium.
Die Berliner Gymnasien führen mündliche und schriftliche Prüfungen zur Erlangung der Hochschulbefähigung ein.
27. September Erster Ballonaufstieg Francois Blanchards vor dem Brandenburger Tor.
1788 bis 1791 Carl Gotthard Langhans erbaut das Brandenburger Tor.
1798 Die Jungfernbrücke entsteht in ihrer heutigen Gestalt.
1798 bis 1802 Heinrich Gentz erbaut die Münze am Werderschen Markt.

1808 19. November Die wahlberechtigten Bürger Berlins wählen aufgrund der preußischen Städte die ersten Berliner Abgeordneten.
1818 Die Berliner Sparkasse wird gegründet.
1828 Die Berliner Universität erhält den Namen Friedrich-Wilhelm-Universität.
1838 Der Volkspark Hasenheide wird nach Plan von Peter Joseph Lenné begonnen.
1848 6. März Beginn der Revolution in Berlin
18. März Barriakdenkämpfe in Berlin
19. März Aufbahrung der "Märzgefallenen"
1868 Berliner Asylverein für Obdachlose gegründet
1878 Hofprediger Adolf Stoecker gründet die Christlich-Sociale Arbeiterpartei.
1888 Dreikaiserjahr: Tod Wilhelms I. und Friedrichs I.
Gründung der Urania
Gustav Krocisius gründet die Spree-Havel-Dampfschiffahrtsgesellschaft Stern.
11. September Das Lessing-Theater am Schiffbauerdamm öffnet.
1898 5. Februar Gründung der Künstlervereinigung Berliner Secession
1. April Die Gemeinde Schöneberg wird Stadt.

1908 28. Januar Eröffnung des Hebbel-Theaters
17. Mai Friedrich ARchenhold legt den Grundstein für die Sternwarte für die Volkssternwarte.
10. Juni Eröffnug des Märkischen Provinzialmuseums
1918 Ende des Ersten Weltkriegs
1928 Gründung der BVG
1948 Berliner Luftbrücke
1968 Studentenunruhen

 

© 2012 Gerhild Komander - Stadtführungen Vorträge Kunstgespräche - Berlin & Potsdam