Gerhild Komander

Frauenthemen

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Jüdinnen in der deutschen Frauenbewegung 1865 – 1919

Eine Rezension zu Irmgard Maya Fassmann

Ausgehend von den Worten Adolf Hitlers „Das Wort von der Frauenemanzipation ist ein nur vom jüdischen Intellekt erfundenes Wort, und der Inhalt ist von demselben Geist geprägt“, die er am 8. September 1934 vor dem Nürnberger Frauenkongreß verkündete, stellt die Autorin einleitend in einer Rückblende den Vorwurf dar, der in antisemitischen Schriften nationalistischer Kreise bereits Jahre vor dem Regierungsantritt Hitlers erhoben wurde.

Die Frage, ob in der deutschen Frauenbewegung überdurchschnittlich viele Frauen jüdischer Herkunft beteiligt waren, beantwortet sie angesichts des Anteils der jüdischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung des Kaiserreiches von etwa einem Prozent positiv: Etwa ein Drittel der führenden deutschen Frauenrechtlerinnen waren jüdischer Abstammung.

Diesem Phänomen geht Irmgard Maya Fassmann in drei großen Kapiteln ihres Werkes nach. Unter dem Motto „Schreiben als Weg zur Unabhängigkeit und Emanzipation“ untersucht sie zunächst die Biographien dreier Schriftstellerinnen: Fanny Lewald-Stahr (1811-1889), Jenny Hirsch (1829-1902) und Hedwig Dohm (1831-1919).

 

Der zweite Teil befaßt sich mit „Jüdinnen in der Fröbelbewegung“. Die Pädagogik Friedrich Fröbels (1782-1852), seine Entwicklung der Vorschulerziehung im Kindergarten besaß im Gegensatz zu den bis dahin üblichen „Kinderbewahranstalten“ eine große Anziehungskraft auf die jüdischen Familien, die einen hohen Bildungsanspruch für ihre Kinder pflegten.

Nach dem Verbot der Fröbelschen Kindergärten 1851 und dem Tod Fröbels im darauffolgenden Jahr setzte sich Baronin Bertha von Marenholtz-Bülow für die Aufhebung des Verbots und die sozialpädagogische Erziehung von Kindern ein.
Die Autorin stellt beispielhaft Leben und Wirken von Johanna ((1806-1884) und Henriette Goldschmidt (1825-1920) sowie Lina Morgenstern (1830-1909) in diesem Zusammenhang vor. Die Anhängerinnen der Lehren Fröbels hofften mit ihrem Wirken auch, die Integration der Juden in die christliche deutsche Gesellschaft zu erreichen. Dies Hoffnung erfüllte sich nicht.


„Jüdische Frauenrechtlerinnen und die soziale Frage“ heißt das dritte Kapitel, das Jeanette Schwerin (1852-1899), Alice Salomon (1872-1948) und Henriette Fürth (1861-1938) gewidmet ist. Sie zählen zu jenen Frauen, denen die private Wohltätigkeit und öffentliche Armenpflege zum Ausgangspunkt politischen Engagements wurde.
In ihrer Schlußbetrachtung kommt die Autorin zu dem Ergebnis, daß von den sechzig Frauen, die in dem bearbeiteten Zeitraum von 1865 bis 1919 Führungspositionen in den entscheidenden Frauenvereinen besaßen – sie nennt den „Allgemeinen deutschen Frauenverein“, den „Lette-Verein" und den „Bund deutscher Frauenvereine“ – zwanzig jüdischer Herkunft waren.


Erinnert man sich an den Anteil von einem Prozent der Bürgerinnen und Bürger jüdischer Herkunft an der Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches, ist dieser Anteil sehr hoch. Den Grund dafür stellt Irmgard Maya Fassmann in der überdurchschnittlichen Bildung und Förderung im Elternhaus fest. Viele der späteren Frauenrechtlerinnen seien „als bevorzugte Lieblingstochter in Obhut eines aufgeklärten Vaters“ aufgewachsen, „der sein Bildungsethos, das im orthodoxen Judentum Söhnen zugute kam, auf die Tochter übertrug.“

Nicht alle der in diesem Buch betrachteten Frauen waren Berlinerinnen oder wirkten in Berlin, doch der größere Teil. Leben und Wirken aller Frauen strahlte nach und von Berlin aus. So liegt mit der Arbeit von Irmgard Maya Fassmann auch ein für die Geschichte Berlins wichtiges Werk vor, war doch Berlin nicht nur eine der Hochburgen der deutschen Frauenbewegung, sondern auch ein Zentrum deutsch-jüdischer Kultur.

Gerhild H. M. Komander

 

Irmgard Maya Fassmann: Jüdinnen in der deutschen Frauenbewegung 1865 – 1919 (= Haskala Wissenschaftliche Abhandlungen, hg. vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien und Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte, Band 6), Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms Verlag 1996. 388 S. Mit zehn Abbildungen und einem Anhang mit Kurzbiographien, Quellen- und Literaturverzeichnis und Personenregister.

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Frauendaten

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Schiller Philosophie

Frauen in Berlin

1. Januar 1950 Die Schauspielerin Gertrud Eysoldt stirbt in Ohlstadt b. Murnau.
1. Januar 2010 Freya Gräfin von Moltke, Widerstandskämpferin, Schriftstellerin, Juristin, stirbt in Norwich, Vermont, USA.
2. Januar 1850 Elisabeth Gnauck-Kühne, Erzieherin, Schriftstellerin, Sozialpolitikerin, kommt in Vechede zur Welt.
6. Januar 1870 Die Gewerkschafterin Paula Thiede kommt in Berlin zur Welt.
7. Januar 1890 Augusta Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach Königin von Preußen und Deutsche Kaiserin stirbt in Berlin.
7. Januar 1890 Henny Porten, Schauspielerin, wird in Magdeburg geboren.
8. Januar 1840 Elise von Delbrück, Kunstfreundin und -förderin, kommt in Berlin zur Welt.
11. Januar 1860 Zarin Alexandra Feodorowna, geborene Prinzessin Charlotte von Preußen, stirbt in St. Petersburg.
13. Januar 1780 Luise Amalie Herzogin von Braunschweig-Bevern Prinzessin von Preußen, Königinmutter, stirbt in Berlin.
15. Januar 1900 Ella Auerbach, erste Berliner Rechtsanwältin mit Zulassung am Kammergericht, kommt in Frankfurt/Main zur Welt.
17. Januar 1860 Marie von Bunsen, Schriftstellerin und Malerin, wird in London geboren. (16.1.)
18. Januar 1870 Die Theaterleiterin Julie Gräbert, genannt Mutter Gräbert, stirbt in Berlin.
23. Januar 1980 Die Bühnen- und Film-Schauspielerin Lil Dagover stirbt in München.
28. Januar 1910 Tatjana Sais, Schauspielerin und Kabarettistin, wird in Frankfurt a. M. geboren.
29. Januar 1970 Käthe Kühl, geborene Nehrhaupt, Kabarettistin und Schauspielerin, stirbt in Berlin.


5. Februar 1790 Die Schriftstellerin Minna Apranzow wird in Berlin geboren.
11. Februar 1920 Die Malerin und Salonnière Luise Begas-Parmentier stirbt in Berlin.
12. Februar 1850 Die Schriftstellerin Auguste Hauschner kommt in Prag zur Welt.
18. Februar 1840 Elisabeth Christine Ulrike Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel Prinzessin von Preußen stirbt in Stettin.
19. Februar 1980 Die Sozialarbeiterin Idamarie Solltmann stirbt in Dinklage.
20. Februar 1890 Evelyn Faltis, Komponistin, wird in Trautenau / Böhmen geboren.
22. Februar 2000 Olga Jensch-Jordan, Kunstspringerin und Trainerin, stirbt in Berlin.
23. Februar 1540 Hedwig Markgräfin von Brandenburg, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg sowie Fürstin von Braunschweig-Wolfenbüttel, Tochter des brandenburgischen Kurfürstenpaares Joachim II. und Hedwig von Polen, kommt im Schloß zu Cölln (Berlin) zur Welt.
23. Februar 1860 Die Schriftstellerin Margarethe von Bülow kommt in Berlin zur Welt.
27. Februar 1860 Die Schauspielerin Paula Conrad-Schlenther kommt in Wien zur Welt.
27. Februar 1930 Helga Grebing, Historikerin und Professorin, kommt in Berlin zur Welt.


6. März 1940 Else Lehmann (Lehmann-Kuh), Schauspielerin, stirbt in Prag.
9. März 1980 Die Schauspielerin Olga Tschechowa stirbt in München.
12. März 2010 Hanna-Renate Laurien, Lehrerin und Politikerin, stirbt in Berlin.
13. März 1940 La Jana, geborene Margarethe Henriette Hiebel, Schauspielerin und Tänzerin, stirbt in Berlin.
15. März 1950 Die Schriftstellerin Susanne Kerckhoff stirbt in Berlin.
20. März 1880 Magda Trott, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, kommt in Freystadt (Schlesien, heute Kożuchów, Polen) zur Welt.
21. März 1860 Martha Fontane, Herausgeberin, kommt in Berlin zur Welt.
25. März 1880 Ludmilla Assing, Schriftstellerin, stirbt in Florenz.

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