Gerhild Komander

hoffmann 150Ludwig Hoffmann, Stadtbaurat der Kaiserzeit

Der Architekt vom Virchow-Krankenhaus, Märkisches Museum, Märchenbrunnen im Friedrichshain ...

Als Stadtbaurat zwischen Hermann Blankenstein und Martin Wagner prägte Hoffmann von 1896 bis 1924 maßgeblich die kommunale Bautätigkeit in Berlin.

 

Ob Rudolf-Virchow-Krankenhaus im Wedding, Märkisches Museum in Mitte, Märchenbrunnen in Friedrichshain, Stadthaus an der Jüdenstraße, Schulen, Feuerwachen, Turnhallen, Volksbäder: Es gab keine kommunale Bauaufgabe, die Ludwig Ernst Emil Hoffmann nicht funktional und ästhetisch überzeugend löste. Einen neuen Stil erfand er nicht. Er suchte ihn nicht. Er orientierte sich an den grundlegenden Erfordernisen und - vornehmlich - den Bauten der florentinischen Renaissance. 

 

Geboren am 30. Juli 1852 Darmstadt, gestorben am 11. November 1932 Berlin
Tätigkeit: Architekt, Stadtbaurat
Lebens- und Wirkungsorte: Darmstadt, Leipzig, Berlin

 

Als Stadtbaurat prägte Hoffmann von 1896 bis 1924 maßgeblich die kommunale Bautätigkeit in Berlin. Nach dem Studium an der Kasseler Akademie und an der Bauakademie Berlin, das er mit seinem Jugendfreund Alfred Messel absolvierte, gewann er mit Peter Dybwad den Wettbewerb für das Reichsgericht, das in Leipzig errichtet wurde. 1896 erhielt er die Stellung des Stadtbaurast für Hochbau in Berlin, die er bis zu seiner Pensionierung 1924 inne hatte. Aus Berlin stammte auch seine Ehefrau Marie, Tochter des Bankiers Weisbach, die er 1895 heiratete.

 

Bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts (und teilweise länger) galt das Werk Hoffmanns als nicht denkmalwert, bisweilen sogar reaktionär. Die kollektive Ablehnung der Architektur des Historismus führte dazu, daß Architekturhistoriker, Politiker und Architekten das Werk Hoffmanns - wenn nötig - dem Abriß übergaben. Den städtebaulichen Wert seiner Bauten und die sozialen Ansprüche Hoffmanns erkannten die Nachfolgenden spät.

300 Bauten hinterließ Hoffmann der Stadt Berlin und ihrer Bevölkerung. Es ist Zeit, diesem Baumeister mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

 

Wichtige Werke:
Rudolf-Virchow-Krankenhaus, 1899-1906
Heilanstalt Buch, 1899-1914
Märkisches Museum, 1901-1907
Stadthaus, mit Gedenktafel, 1902-1911
Märchenbrunnen in Friedrichshain, 1902-1913
Pergamonmuseum, unter Verwendung des Entwurfes von Alfred Messel, 1909-30
Zahlreiche öffentliche Gebäude und Anlagen, Badeanstalten, Brücken, Denkmale, Feuerwachen, Schulen, Turnhallen und Verwaltungsgebäude nach seinen Entwürfen

 

Schriften:
Ludwig Hoffmann. Lebenserinnerungen eines Architekten, hg. von Wolfgang Schäche, Berlin 1983.
Neubauten von Berlin, hg. von Ludwig Hoffmann, 12 Bde., Berlin 1902-12, mit Photographien von Ernst von Brauchitsch.

 

Literatur:
Hans J. Reichardt und Wolfgang Schäche: Ludwig Hoffmann in Berlin. Die Wiederentdeckung eines Architekten in Berlin, Katalog des Landesarchivs Berlin, Berlin 1986.

Literatur in den Publikationen des Vereins für die Geschichte Berlins:
Peter Lemburg: Stadtbaurat Ludwig Hoffmann. 31. Juli 1852 Darmstadt - 11. November 1932 Berlin, in: MVGB 97, 2001, S. 240-245.
Susanne Kähler: Fortuna für die Stadt - Zur Wiederaufstellung der Kuppelfigur auf Ludwig Hoffmanns Stadthaus, in: MVGB 99, 2003, S. 514-522.

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Berlin im Blick

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1870 Georg Siemens und andere gründen die Deutsche Bank.
1. Juli Generalpostmeister Heinrich Stephan führt die "Correspondenzkarte", die Postkarte ein.
Am 19. Juli erklärt Frankreich Preußen den Krieg. Berlin macht mobil.

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1970 13. Januar Grundsteinlegung für die Neubebauung der Leipziger Straße
14. Mai Mit der Befreiung des Brandstifters Andreas Baaders aus der Haft in der Justizvollzugsanstalt Tegel beginnt die Geschichte der RAF.
Aufstellung des Lenin-Denkmals

 

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