Gerhild Komander

Frauenthemen

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Eine Frau erforscht die deutsche Sprache

Agathe Lasch – Berlin – Heidelberg – Hamburg. Rezension

 

Den besten Blick auf die Wirkungsstätte der Philologin Agathe Lasch in Hamburg gibt es von der Bahn aus: Wenn der Zug in den Bahnhof Dammtor einfährt oder ihn verlässt. Die Hamburgische Universität mit ihrem zentralen Kuppelbau bot der Berlinerin Agathe Lasch als erster Frau im Deutschen Reich eine Professur in Germanistik an.

Für die deutschen Frauen ist ein Studium an den Universitäten ihres Landes im 19. Jahrhundert regulär nicht möglich. Agathe Lasch will Germanistik studieren. Professor Gustav Roethe verweigert ihr den Zutritt zu seinen Vorlesungen an der Friedrich-Wilhelms-Universität Unter den Linden und zwingt die entschlossene junge Frau, ihre Heimatstadt Berlin zu verlassen.

 

Nachfahrin eines Wiener Juden

Ihre Familie väterlicherseits kommt 1671 aufgrund des kurfürstlichen Edikts aus Wien nach Berlin: Der Große Kurfürst lädt fünfzig jüdische Familien ein, die dort vertrieben werden, sich in seiner Residenz niederzulassen, sofern sie denn wohlhabend sind. Vom Wohlstand der Vorfahren ist nichts geblieben, als Agathe Lasch am 4. Juli 1879 auf die Welt kommt, vom jüdischen Glauben auch nicht.

Doch schicken die Eltern Agathe und ihre zwei Schwestern auf die höhere Mädchenschule und im Anschluss daran auf das Lehrerinnenseminar. Wie für die Eltern Hannah Arendts und vieler anderer Frauen ist es für Agathes Eltern eine Herausforderung, ihren Töchtern eine außergewöhnliche gute Bildung und Ausbildung zu ermöglichen.

 

Agathe trotzt der frauenfeindlichen Bildungspolitik

Agathe Lasch legt mit 21 Jahren ihr Examen ab und unterrichtet bis 1907 in Berlin und Halle. Während dieser Berufstätigkeit bereitet sie sich zusätzlich auf das Abitur vor, das sie 1906 am Königlichen Kaiserin-Augusta-Gymnasium in Charlottenburg besteht. Diese Möglichkeit eröffnen Frauen wie Helene Lange und Gertrud Bäumer, die sich für das Frauenabitur einsetzen.

Ein akademisches Studium gestattet Agathe Lasch die Universität Heidelberg, die sie am 7. Juli 1909 auch promoviert. Das Thema ihrer Dissertation: Die „Geschichte der Schriftsprache in Berlin bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts". In Karlsruhe legt sie 1910 ihr Staatsexamen ab. Trotz dieser hochgelobten und außergewöhnlichen Leistungen bleibt ihr die weitere wissenschaftliche Qualifikation verwehrt, weil sie eine Frau ist.

 

Einmal Pennsylvania und zurück

In Pennsylvania, am renommierten Frauen-College, lehrt sie auf Einladung von M. Carey Thomas, der Direktorin, ab September 1910 germanistische Philologie. Aber Agathe Lasch leidet nach Beginn des Ersten Weltkriegs unter dem negativen Deutschlandbild der Amerikaner, so sehr, dass sie sich 1916 entschließt, in ihre Heimat zurückzukehren.

In Hamburg erwartet sie eine neue Aufgabe: Die Sammelstelle für das Hamburgische Wörterbuch, Zusätzlich kann sie ihre Lehrtätigkeit wieder aufnehmen, am Hamburgischen Kolonialinstitut. Die Hamburgische Universität ist gerade gegründet, da habilitiert sich Agathe Lasch schon: als eine von sechs Frauen, die vor der offiziellen Zulassung von Frauen zur Habilitation im Jahr 1920, diese Erlaubnis erhalten. Auf ihre wissenschaftliche Arbeit wird die Professur für niederdeutsche Philologie zugeschnitten. 1926 nimmt Agathe Lasch diese Aufgabe an.

 

Forscherin der niederdeutschen Sprache

Agathe Lasch erforscht die Grundlagen der niederdeutschen Sprache, verfasst Handbücher, die bis in die Gegenwart Gültigkeit besitzen – wie die Mittelniederdeutsche Grammatik, 1914, die Berlinische Sprachgeschichte, 1928, und das Mittelniederdeutsche Handwörterbuch, 1928-34.

Selbstverständlich muss die Wissenschaftlerin ihre Arbeit aufgeben, als die Nationalsozialisten an die Macht kommen. Am 30. Juni 1934 wird sie aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Selbstverständlich setzen ihre Kollegen dieser Vertreibung keinen Widerstand entgegen.

Die entlassene Professorin kehrt nach Berlin zurück. Am 13. August 1942 werden sie und ihre Schwestern von ihrer Deportation benachrichtigt. Von der Synagoge in der Levetzowstraße, die die Nationalsozialisten als „Sammellager" missbrauchen, werden die Schwestern gemeinsam mit 938 anderen Menschen nach Riga gebracht. Der Tag der Ankunft, der 18. August 1942, gilt als Todestag aller Ankömmlinge, denn ihre Ermordung erfolgte sofort.

So viel Inhalt auf nur wenigen Seiten beruht auf den akribischen Forschungen der Germanistin Christine M. Kaiser. Im Anhang befinden sich auch eine Auswahl der Schriften Agathes Laschs und ein Literaturverzeichnis in Auswahl.

 

Gerhild H. M. Komander

Der Text erschien zuerst im "Berliner Lindenblatt" 2007.

 

Christine M. Kaiser: Agathe Lasch (1879-1942). Erste Germanistikprofessorin Deutschlands (= Jüdische Miniaturen Band 63), Berlin: Hentrich & Hentrich 2007. 95 Seiten. Mit 14 Schwarzweißabbildungen, 9,80 Euro.

 

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Schiller Philosophie

Frauen in Berlin

1. Januar 1950 Die Schauspielerin Gertrud Eysoldt stirbt in Ohlstadt b. Murnau.
1. Januar 2010 Freya Gräfin von Moltke, Widerstandskämpferin, Schriftstellerin, Juristin, stirbt in Norwich, Vermont, USA.
2. Januar 1850 Elisabeth Gnauck-Kühne, Erzieherin, Schriftstellerin, Sozialpolitikerin, kommt in Vechede zur Welt.
6. Januar 1870 Die Gewerkschafterin Paula Thiede kommt in Berlin zur Welt.
7. Januar 1890 Augusta Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach Königin von Preußen und Deutsche Kaiserin stirbt in Berlin.
7. Januar 1890 Henny Porten, Schauspielerin, wird in Magdeburg geboren.
8. Januar 1840 Elise von Delbrück, Kunstfreundin und -förderin, kommt in Berlin zur Welt.
11. Januar 1860 Zarin Alexandra Feodorowna, geborene Prinzessin Charlotte von Preußen, stirbt in St. Petersburg.
13. Januar 1780 Luise Amalie Herzogin von Braunschweig-Bevern Prinzessin von Preußen, Königinmutter, stirbt in Berlin.
15. Januar 1900 Ella Auerbach, erste Berliner Rechtsanwältin mit Zulassung am Kammergericht, kommt in Frankfurt/Main zur Welt.
17. Januar 1860 Marie von Bunsen, Schriftstellerin und Malerin, wird in London geboren. (16.1.)
18. Januar 1870 Die Theaterleiterin Julie Gräbert, genannt Mutter Gräbert, stirbt in Berlin.
23. Januar 1980 Die Bühnen- und Film-Schauspielerin Lil Dagover stirbt in München.
28. Januar 1910 Tatjana Sais, Schauspielerin und Kabarettistin, wird in Frankfurt a. M. geboren.
29. Januar 1970 Käthe Kühl, geborene Nehrhaupt, Kabarettistin und Schauspielerin, stirbt in Berlin.


5. Februar 1790 Die Schriftstellerin Minna Apranzow wird in Berlin geboren.
11. Februar 1920 Die Malerin und Salonnière Luise Begas-Parmentier stirbt in Berlin.
12. Februar 1850 Die Schriftstellerin Auguste Hauschner kommt in Prag zur Welt.
18. Februar 1840 Elisabeth Christine Ulrike Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel Prinzessin von Preußen stirbt in Stettin.
19. Februar 1980 Die Sozialarbeiterin Idamarie Solltmann stirbt in Dinklage.
20. Februar 1890 Evelyn Faltis, Komponistin, wird in Trautenau / Böhmen geboren.
22. Februar 2000 Olga Jensch-Jordan, Kunstspringerin und Trainerin, stirbt in Berlin.
23. Februar 1540 Hedwig Markgräfin von Brandenburg, Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg sowie Fürstin von Braunschweig-Wolfenbüttel, Tochter des brandenburgischen Kurfürstenpaares Joachim II. und Hedwig von Polen, kommt im Schloß zu Cölln (Berlin) zur Welt.
23. Februar 1860 Die Schriftstellerin Margarethe von Bülow kommt in Berlin zur Welt.
27. Februar 1860 Die Schauspielerin Paula Conrad-Schlenther kommt in Wien zur Welt.
27. Februar 1930 Helga Grebing, Historikerin und Professorin, kommt in Berlin zur Welt.


6. März 1940 Else Lehmann (Lehmann-Kuh), Schauspielerin, stirbt in Prag.
9. März 1980 Die Schauspielerin Olga Tschechowa stirbt in München.
12. März 2010 Hanna-Renate Laurien, Lehrerin und Politikerin, stirbt in Berlin.
13. März 1940 La Jana, geborene Margarethe Henriette Hiebel, Schauspielerin und Tänzerin, stirbt in Berlin.
15. März 1950 Die Schriftstellerin Susanne Kerckhoff stirbt in Berlin.
20. März 1880 Magda Trott, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, kommt in Freystadt (Schlesien, heute Kożuchów, Polen) zur Welt.
21. März 1860 Martha Fontane, Herausgeberin, kommt in Berlin zur Welt.
25. März 1880 Ludmilla Assing, Schriftstellerin, stirbt in Florenz.

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