Gerhild Komander

150 SteinbergDie Kleinhaussiedlung Am Steinberg, Architektur wiederentdeckt

Zur Stadtführung Berlin: Reinickendorfer Architekturgeschichten

Die spitzen Dächer ragen ineinandergeschachtelt zwischen den Baumkronen in den Himmel, immer im Wechsel den Giebel zur Straße streckend oder die Traufe zeigend.

 

Haus an Haus und Dach und Dach reihen sie sich, ducken sie sich, wie der Blick auf sie fällt. Die Kleinhaussiedlung am Steinberg wird längst von den ersten Bäumen überragt. Sie wachsen schließlich seit mehr als neunzig Jahren in den Tegeler Himmel.

 

Stadtbaumeister Hornig, der diese Siedlung entwarf und ausführte, bewohnte selbst die Nummer 1 in der Straße Am Brunnen.
62 WohneinhSteinberg 1eiten setzte er in fünf Reihenhauszeilen, ein Doppelhaus und drei Mehrfamilienhäuser. Die pastellfarbenen Anstriche wirkten so heiter. Zwischen den Häusern liegen die Gärten, Zaun an Zaun, immer noch. Hornig dachte an die Gartenstädte, die in Europa entstanden waren. Die Idee der Stadt im Grünen stammte aus Großbritannien.

 

1922 zählt das Berliner Adreßbuch an BewohnerInnen auf: Lehrer, Elektrotechniker, Fabrikarbeiter, Modelltischler, Postinspektor, Fabrikportier, Maschinenarbeiter, Kellner, Telephonist, Maurer, Werkmeister, Witwen. Eigentümerin ist die Stadt Berlin.

 

Steinberg 2Gegenwärtig herrscht Unruhe und Unmut in der Siedlung. Sie wurden verkauft, die Häuser. Die Menschen fühlen sich ebenso. Mitte der achtziger Jahre verkaufte die Stadt die Kleinhaussiedlung am Steinberg. Die GSW setzte die Pflege der Stadt nicht fort. Sie nahm, so heißt es, auch Leerstand in Kauf.

 

Warum?
Waren das die ersten Maßnahmen für einen geplanten Verkauf? Die GSW verkaufte die Häuser erst vor wenigen Jahren an eine Investorengruppe. Die neue Eingentümerin möchte sanieren, intensiv sanieren, um anschließend das investierte Geld mit Gewinn zurück zu erhalten.
Wird das nicht zu Lasten der BewohnerInnen gehen?
Die Idylle jedenfalls trügt.

 

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg entstanden mehrere Kleinhaussiedlungen in und um Berlin. Sie sollten Invaliden versorgen, für Witwen und ihre Kinder zur Verfügung stehen. Teils waren es Notunterkünfte, nur aus Holz gebaut. Sie sind lange schon verschwunden. Andere Siedlungen waren solider gebaut und hielten den Zeitläuften stand, bis jetzt jedenfalls.

 

Kleinhaussiedlung am Steinberg 1920 566

 

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Berlin im Blick

Berliner Geschichte

Um 1270 Der romanische Bau der Marienkirche entsteht.

1320 Die brandenburgischen Askanier sterben aus. Die Auseinandersetzungen um den Besitz der Mark Brandenburg beginnen.
Markgräfin Agnes überantwortet Rechtsprechung und Schutz der in Berlin-Cölln lebenden Juden dem Rat der Doppelstadt. Die Juden haben künftig ihre Abgaben an den Rat zu zahlen.

1370 Erste urkundliche Erwähnung von Falkenberg und Pankow
Die Doppelstadt Berlin-Cölln erwirbt Pankow.

1470 2. April Friedrich II. legt die Regierung nieder. Sein Bruder Albrecht Achilles wird Kurfürst.

1570 Die kurfürstliche Kantorei erhält eine offizielle Ordnung.

1620 Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz sucht bei seinen kurfürstlichen Verwandten im Schloss Zuflucht. Sein Geleit von 3 000 Mann wütet in der Mark.
16. Februar Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst wird geboren.

1670 Frau Schmolz, Ehefrau des Kammerlakaien Christian Schmolz, erhält die Genehmigung, auf dem Kirchhof von St. Nikolai eine Mädchenschule einzurichten.
Hendrik de Fromantiou wird kurfürstlicher Hofmaler.

1720 bis 1722 Der Pulverturm am Spandauer Tor explodiert und tötet 76 Menschen.
Philipp Gerlach erbaut die durch die Explosion zerstörte Garnisonkirche neu.

1770 Die Allee Unter den Linden wird zur Promenade ausgebaut.
Berlin erhält eine neue Gerichtsordnung.
Das Königlich Preußische Generalpostamt erlässt ein Reglement für die Briefträger.
Die Bergakademie wird gegründet.

1820 Christian Wilhelm Hufeland eröffnet ein poliklinisches Institut.
Carl Friedrich von Graefe eröffnet die chirurgische Universitätsklinik.

1870 Georg Siemens und andere gründen die Deutsche Bank.
1. Juli Generalpostmeister Heinrich Stephan führt die "Correspondenzkarte", die Postkarte ein.
Am 19. Juli erklärt Frankreich Preußen den Krieg. Berlin macht mobil.

1920 Mit dem Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin (Groß-Berlin-Gesetz) vom 27. April 1920 wird Berlin zur drittgrößten Stadt der Welt.

1970 13. Januar Grundsteinlegung für die Neubebauung der Leipziger Straße
14. Mai Mit der Befreiung des Brandstifters Andreas Baaders aus der Haft in der Justizvollzugsanstalt Tegel beginnt die Geschichte der RAF.
Aufstellung des Lenin-Denkmals

 

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