Gerhild Komander

150 Acker BalkonLeben in der Ackerstraße

Von der Mitte in den tiefen Wedding

Sie ist längst ein Geheimtip. Und junge Leute entdecken die Wohnbauten der fünfziger Jahre als Refugium mitten in der Stadt. 

 

Armenfriedhof, Galgenplatz, Schwindsuchtbrücke: Kann eine Straße mehr Elend auf sich ziehen als die Ackerstraße? Der düsteren Geschichte zum Trotz gehört die untere Ackerstraße zu den beliebtesten Gegenden Berlins. Die obere wird nach Kahlschlag und Umsiedlung - außerhalb von Wissenschaftsinstituten und Quartiersmanagement - jetzt entdeckt.

 

Stadtführung im Wedding

Acker94-250Die Ackerstraße beginnt am Koppenplatz, Mitte, und endet an der Schwindsuchtbrücke, Wedding. Wer sie entlang spaziert, überwindet – gedanklich – zwei Mauern: zuerst die Stadtmauer von 1737, dann die Berliner Mauer von 1961, die zugleich Bezirksgrenze zwischen Mitte und dem Wedding war.

Zwischen Ackerstraße und Gartenstraße legte Friedrich II. Mitte des 18. Jahrhunderts Kolonien für Gärtner- und Handwerkerfamilien an.

 

Unterstützt durch den Bau des Stettiner Bahnhofs (Nordbahnhof) etablierte sich im „tiefen Wedding“ die Metall- und Maschinenbauindustrie. Hier baute Hans Fallada seine Bühne auf für den Roman „Ein Mann will nach oben“.

Vom Koppenplatz in Mitte, an dessen Stelle sich einst ein Armenfriedhof vor der Stadtmauer befand, führt der Weg über die Linien- und Torstraße hinweg in den Wedding hinein. An der Bernauer Straße ist die einstige Bezirksgrenze und die Berliner Mauer erreicht.

AckerSchrippe

 

Nördlich der Bernauer Straße liegt zwischen Gartenstraße und Schwedter Straße (Prenzlauer Berg) das einst größte innerstädtische Sanierungsgebiet Europas. Hier ließ der Berliner Senat in den siebziger und achtziger Jahren flächendeckend Wohnhäuser, die sich um das AEG-Gelände versammelt hatten, abreißen und neu bauen.

 

Zwischen 1878 und 1910 gab es in den Häusern und Höfen der Ackerstraße 77 verschiedene Gewerbe und Kleinbetriebe. Fast alle sind mit der Kahlschlagsanierung verschwunden.

 

In symmetrischer Ausrichtung zum ältesten Gebäude der AEG öffnet sich der Gartenplatz, einst die letzte öffentliche Hinrichtungsstätte der Stadt Berlin. Deshalb hieß der Platz bis 1865 Galgenplatz. Am Ende der Ackerstraße steht das Haus Nr. 94, ein spätes Kolonistenhaus, Ende des 19. Jahrhunderts aufgestockt, und harrt der Dinge.
 

Weitere Termine:  auf Anfrage

Dauer: etwa zwei Stunden

Kosten: 150,00 Euro für Gruppen bei geschlossener Führung

Treffpunkt: Ackerstraße Ecke Koppenplatz

 

566 Schwindsuchtbruecke

 

566 Acker1961

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