Gerhild Komander

grael 150Johann Friedrich Grael

Baumeister barocker Kirchtürme

Von drei wunderbaren Kirchtürmen, die er in Berlin und Potsdam erbaute, überstand ein einziger die Zeitläufte, der Kirchturm der Berliner Sophienkirche. Seine Türme für die Heiliggeist-kirche, die Petrikirche und die Sophienkirche zählten zu den Meisterleistungen norddeutscher Barockbaukunst. 


9. Januar 1707 Quilitz (Neuhardenberg) - 27. September 1740 Bayreuth

 

Die Lebensspuren des Architekten Johann Friedrich Grael sind bis heute nicht vollkommen erforscht. Seine Werke sind großenteils zerstört. Von den drei wunderbaren Kirchtürmen, die er in Berlin und Potsdam erbaute, überstand ein einziger die Zeitläufte, der Kirchturm der Berliner Sophienkirche.

 

Johann Friedrich Grael ist in jungen Jahren verstorben. Schon deshalb war sein Werk als Baumeister nicht sehr umfangreich. Seine schlanken barocken Turmbauten für die Heiliggeistkirche in Potsdam, die Petrikirche in Cölln (Berlin) und die Sophienkirche in Berlin zählten jedoch zu den Meisterleistungen norddeutscher Barockbaukunst.

Geboren wurde Grael als Sohn des Hofgärtners des Markgrafen Philipp von Brandenburg-Schwedt. Seine Ausbildung zum Baumeister erhielt er bei Hofbaumeister Martin Heinrich Böhme in Berlin, dem er 1725 im Amt nachfolgte. Nach einer Studienreise 1730 nach Straßburg, 1731 Studienreise nach Dresden beteiligte König Friedrich Wilhelm I. ihn an den Bauausführungen in der Friedrichstadt. In dieser Zeit wohnte Johann Friedrich Grael auf dem Bauhof der Friedrichstadt, der nahe am Gendarmenmarkt lag.

 

Der König erteilte ihm auch den Auftrag, einen Kirchturm für die auf dem Cöllnischen Markt stehende Petrikirche zu entwerfen. Das war kein glückliches Unterfangen. Seit Jahrzehnten stand der mittelalterliche Bau ohne Kirchturm auf dem Markt, da der Baugrund den alten Turm nicht tragen wollte.

Dennoch wünschte sich Friedrich Wilhelm I. einen hohen Turm und erteilte 1726 den Auftrag. Grael nutzte den vorhandenen Turmunterbau und ließ darauf einen schlanken Turm, ähnlich dem der Sophienkirche, errichten. Doch noch bevor der Bau fertiggestellt war, zerstörte ihn ein Blitzschlag im Jahr 1730. Auch der zweite Versuch schlug fehl. Am 21. August 1734 stürzte der Turm der Petrikirche ein, der König ließ Grael inhaftieren und anschließend ausweisen.

 

Im folgenden Jahr - 1735 - hielt sich der Baumeister am Hof des Markgrafen von Brandenburg-Schwedt auf und trat 1736 in die Dienste des Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth, der mit Wilhelmine, der ältesten Tochter des preußischen Königs verheiratet war. Zwei Jahre später erkrankte Grael an der Wassersucht und verstarb 1740 in Bayreuth.

 

Werke:
1727 Bauleitung Turm der Petrikirche
1728 Turm der Heiliggeistkirche zu Potsdam
1729-35 Turmbau für die Sophienkirche
1729-36 Palais Kameke und Palais Borck-Saldern, Unter den Linden / Pariser Platz
Palais Grumbkow und Eberbachsches Haus, Königstraße (Rathausstraße)
Weizelsches Haus, Spandauer Straße

1730 Entwurf für den Brunnen auf dem Roßmarkt, Stettin
1731 Reit- und Exerzierhaus, Schwedt
1736 Eremitage bei Bayreuth, Altes Schloss, Umbau
1739 Entwurf für das Jagdschloss Kaiserhammer

 

Literatur:
Friedrich Nicolai: Nachricht von den Baumeistern, Bildhauern, Kupferstechern, Malern, Stukkaturern, und anderen Künstlern, welche vom 13. Jh. bis jetzt in und um Berlin sich aufgehalten haben, 2. Auflage Berlin und Stettin 1786.
Hermann Heckmann: Baumeister des Barock und Rokoko. Brandenburg Preussen, Berlin 1998.

 

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